sprache deutsch
sprache english
» Zum Warenkorb
0 Artikel - 0,00 EUR


Sonntag, 18. November 2018
 Startseite » Ökonomie 

Auf der Suche nach dem Ökonomischen – Karl Marx zum 200. Geburtstag

492 Seiten ·  34,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-7316-1325-1 (April 2018 )

Hardcover, Fadenheftung

 
 

Am 5. Mai 1818 wurde Karl Marx geboren. Der 5. Mai 2018 ist als 200. Geburtstag also ein Datum, zu dem es den nach wie vor populärsten Kritiker dessen, was wir als Kapitalismus bezeichnen, und einen ebenso großen wie umstrittenen Denker, Publizisten und auch Politiker zu würdigen gilt. Die Herausgeber dieses Buches haben die versammelten Autoren aus diesem Anlass zu einer theoretischen (und praktisch bedeutsamen) Frage eingeladen, die den Kern der Marxschen Theorie und Kapitalismuskritik betrifft: Was ist eigentlich das Ökonomische?

Das zielt auf die gesellschaftliche Imagination des Ökonomischen (Cornelius Castoriadis) unter den besonderen Bedingungen des Kapitalismus wie auf die Frage, wie jenseits davon eigentlich die Beziehungen zwischen dem Ökonomischen und dem darüber hinausgreifenden Gesellschaftlichen verstanden werden sollten.

Die Zusammenführung ganz verschiedener Autoren verbindet sehr unterschiedliche Zugänge zu dieser Frage zu einem informativen und vielseitigen Ganzen. Umso besser, um Verhältnissen zu entrinnen, in denen ökonomische Kalküle über unser Leben bestimmen.


Einleitung


I. Marx, die Ökonomie und die Ökonomik

Hans A. Frambach
Zur Erklärung von wirtschaftlicher Entwicklung bei Karl Marx

Frank Beckenbach
Warenreproduktion mittels Waren? Eine kritische Würdigung des ökonomietheoretischen Ansatzes von Marx

Heinz D. Kurz
Karl Marx und die "Unsichtbare Hand"

Bertram Schefold
Die Bedeutung des Transformationsproblems und seine Lösung

Helge Peukert
Warum ist die Marxsche Theorie ein unentbehrlicher pluraler Bestandteil für die Volkswirtschaftslehre?


II. Marx, Ökonomie und Gesellschaft

Claus Thomasberger
Das ökonomische Problem in einer komplexen Gesellschaft. Marx' Beitrag zu einer transformativen Wissenschaft

Lars Hochmann
Vordenken braucht Nachdenken. Ökonomik ist Analyse, nicht Abstraktion von Ökonomie

Reinhard Pfriem
Die nachökonomische Gesellschaft als reale Utopie. Überlegungen zur Aufhebung des Ökonomischen

Raul Zelik
Marx! - Warum den kritischen Gesellschaftswissenschaften ein materialistic turn gut tun würde und was sich sonst von Marx noch lernen ließe

Rainer Lucas
Inwertsetzung räumlicher Strukturen. Produktion und Reproduktion als Grundlagen einer transformativen Stadt- und Regionalentwicklung

Uwe Schneidewind, Holger Berg, Katharina Bohnenberger, Hans Haake/ Georg Kobiela, Laura Machler
Von der Deep Treadmill zur alternativen Stadtökonomie. Eine Verbindung von Überakkumulationstheorien und Suffizienzdiskurs


III. Marx, Ökonomie und die zukünftige Gesellschaft

Marco Lehmann-Waffenschmidt, Johannes Rohbeck
Wirtschaft und Geschichte ohne Telos. Marx' geschichtsphilosophischer Ansatz im Spannungsfeld zwischen Geschichtsphilosophie und Evolutionsökonomik

Burghard Flieger
Das Marxsche Kooperativensystem. Evaluierungsgrundlage für eine transformative Genossenschaftswissenschaft

Michael Brie
Das "Kapital" - Zukunftswissenschaft zu praktischen Zwecken. Eine Skizze

Birger P. Priddat
Die "wirkliche Ökonomie" bei Marx. Über den Kommunismus als Reich der Freiheit freier Zeit

Marx200 ()

"Ein polyphones Geburtstagsständchen"

"Die Beiträge sind lesbar geschrieben, so dass die behandelten, teilweise verwickelten theoretischen Fragen informierten LeserInnen (und an diese richtet sich das Buch) ein gutes Bild der Positionen der AutorInnen liefern. Der Band ist mit seinen drei Teilen zu "Marx, die Ökonomie und die Ökonomik", "Marx, Ökonomie und Gesellschaft" sowie "Marx, Ökonomie und die zukünftige Gesellschaft" klar gegliedert. Obwohl dies dazu verführen könnte, sich nur auf den Abschnitt des eigenen Interesses zu konzentrieren, empfiehlt der Rezensent eine konsequente Lektüre vom Anfang bis zum Ende. Denn, ob Absicht oder nicht, das Buch gewinnt seine Aussagekraft vor allem als "Gesamtkunstwerk", als "polyphone Komposition". Es ist nicht unbedingt zu erwarten, dass in einem Band die Synthese von Autoren aus dem etablierten akademischen Feld (wie sie vor allem im ersten Teil zu Wort kommen) und solche aus dem eher aktivistischen (Raul Zelik) oder praktisch-ökonomischen (Burghard Flieger) funktioniert. Hier ist dies der Fall, auch wenn bzw. eben weil die Beiträge durchaus unterschiedliche Sichtarten auf das Erbe Marx' repräsentieren.

... Insofern ist die "Suche nach dem Ökonomischen" hier vor allem die Suche nach einem zukunftsfähigen und realitätstauglichen wirtschafts- und gesellschaftstheoretischen Ansatz. Die AutorInnen schreiben dementsprechend nicht aus der Position einer tradierten Marx-Rezeption, sondern (in ihrer Mehrzahl) aus der kritischer, bürgerlich-liberaler Geister. Die Mehrzahl der AutorInnen steht in einer Tradition, die vor allem das analytische Potenzial bei Marx hervorhebt, oder, wie Peukert es ausdrückt, die bei Marx aufzufindende "abgerundete Gesamtdeutung von Mensch, Wirtschaft und Gesellschaft" (Marx allerdings lehnte einen solchen universalgeschichtlichen Anspruch ab).

Mit dem Beitrag von Helge Peukert zur marxschen Theorie als unentbehrlicher pluraler Bestandteil für die Volkswirtschaftslehre erhalten aber auch die Beiträge, denen der Rezensent eher kritisch gegenübersteht, ihren Wert. Peukert spannt den Bogen von der Theorie in die universitäre Lehre und eröffnet damit den Raum hin zur Diskussion der praktischen Relevanz des marxschen Erbes. Macht schon das Aufgreifen marxscher Ansätze und ihre kritische Nutzung als Instrument der Analyse der gegenwärtigen Gesellschaft die Aufsätze für MarxistInnen interessant, weil das zur Prüfung eigener Auffassungen provoziert und auch immer auf die "Unabgeschlossenheit" des marxschen Projektes verweist, so wird hier das ganz praktische Problem der "ökonomischen Alphabetisierung" thematisiert. Sein Plädoyer für einen heterodoxen Ansatz in den Wirtschaftswissenschaften bildet das "Scharnier" zwischen den eher theoretisch-methodologisch und den eher praktisch orientierten, auf heutige Widerspruchskonstellationen eingehenden Beiträgen des Bandes. Die Beiträge dieses Teils folgen dem (richtigen, aber auch etwas apodiktischen) Hinweis von Thomasberger, dass es die Fragestellungen, nicht die Antworten sind, die das Werk Marx' für Diskussionen über eine grundlegende gesellschaftliche Transformation fruchtbar machen. Diesem Ansatz folgend werden Fragen einer "realen Utopie", der Analyse der urbanen Entwicklungen und ihres Zusammenhanges mit aktuellen Krisenprozessen oder die Rolle von Genossenschaften diskutiert. Nur scheinbar passt Brie mit seinen Betrachtungen zum "Kapital" als "Zukunftswissenschaft zu praktischen Zwecken" nicht in diese Reihe. Tatsächlich greift er aber theoretische Fragestellungen der vorhergehenden Beiträge auf und diskutiert sie unter einem anderen Gesichtspunkt, nämlich dem des marxschen Forschungsprogramms und der in ihm angelegten Einheit von Theorie und Praxis sowie den Wechselwirkungen von Methode, Gegenstand und Resultaten des Forschungsprozesses.

So erweist sich die Lektüre des Bandes als lohnenswert für alle, die mit Marx weiterdenken und -handeln wollen."



Contraste, 405, Juni 2018, S. 11 ()

"Wie sollten im Anschluss an Marx die Beziehungen zwischen dem Ökonomischen und dem darüber hinausgreifenden Gesellschaftlichen verstanden werden? Nach Auffassung der Herausgeber wird dieses spannende Feld von der gegenwärtigen Soziologie weitestgehend ignoriert. Aus ihrer Sicht ist es deshalb an der Zeit, sich aus ökonomischer Perspektive dieser Herausforderung zu stellen.

Freie Entwicklung des Einzelnen

Die einzelnen Autoren verfolgen sehr unterschiedliche Zugänge. Den Herausgebern gelingt aber die Bündelung des Themas zu einem informativen und vielseitigen Ganzen. Dabei wird u.a. mit dem Irrtum aufgeräumt, Marx sei in Fragen ökonomischer Organisation ein Zentralist, wie es ihm viele Kritiker im Nachgang zu den Formen von Vergesellschaftung und staatsmonopolistischen Unternehmen im real existierenden Sozialismus vorwerfen. Dies hat allerdings nichts mit seiner alternativen Wirtschaftskonzeption zum Kapitalismus zu tun.

Vielmehr hatte Marx im Grunde eine sehr positive Einstellung zu dezentralen, gemeinschaftsorientierten Formen des Wirtschaftens. So schreibt er im Manifest der kommunistischen Partei: »An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.« (MEW 4: 482)

Sympathisant der Genossenschaftsidee

Marx kann insofern als Sympathisant der Genossenschaftsidee gelesen werden, obwohl die empirische Basis für eine zeitgenössische Bewertung der aufkommenden Genossenschaften noch weitgehend fehlte. Burghard Flieger arbeitet in seinem lesenswerten Beitrag heraus, dass der gesellschaftsverändernde Charakter von Genossenschaften von Marx auf vier Ebenen skizziert wird:

1. Auf der Ebene der einzelnen Person, des Arbeiters, der sich freiwillig mit anderen zusammentut, um eine Genossenschaft zu gründen.

2. Die Genossenschaft selbst ist nicht nur als wirtschaftliches Unternehmen zu sehen, sondern beinhaltet soziales Engagement für eine sozialere Welt.

3. Der experimentierende Charakter von Genossenschaften mit neuen Eigentums-, Leitungs-, Produktions- und Vertriebsstrukturen.

4. Um dem Anpassungsdruck des Kapitalismus widerstehen zu können, müssen sich Genossenschaften nach Marx mit anderen Genossenschaften kooperativ verbinden. Erst diese Verbindungen ermöglichen emanzipatorische, transformative Kooperativen.

Insgesamt handelt es sich um eine anregende Lektüre nicht nur für kritische Ökonomen, die zeigt, dass Marx auch heute noch für die wissenschaftliche Diskussion in praktischer Absicht nutzbar gemacht werden kann."



Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7.5.2018, S. 18 ()

"Der 200. Geburtstag von Karl Marx hat nicht wenige Zeitgenossen zur Feder greifen lassen. Darunter finden sich (unter anderen mittlerweile politisch komplett gewendete) ehemalige Verehrer, in deren Betrachtungen das Werk des aus Trier stammenden Rauschebarts nicht selten als Projektionsfläche für Reflexionen ihres eigenen politischen (Irr-)Weges durch die Jahrzehnte dient.

Der vorliegende Aufsatzband ist nicht völlig frei von solchen Momenten, aber insgesamt handelt es sich um eine recht interessante Zusammenstellung, die von den Herausgebern in drei nicht völlig klar abgrenzbare Themenblöcke unterteilt wurden. Besonders der erste Teil ist fast durchgängig lesenswert und lehrreich, auch wenn man Helge Peukerts Auffassung, die Lehre von Marx sei ein unverzichtbarer Gegenstand moderner "pluraler" ökonomischer Lehre, nicht teilen muss. Entschädigt wird der Leser mit Beiträgen von Hans Frambach über wirtschaftliche Entwicklung, Heinz Kurz über die "unsichtbare Hand" und Bertram Schefold über das berühmt-berüchtigte Transformationsproblem."




Die Autoren
Dr. Rainer Lucas
Rainer Lucas

Betriebs- und Volkswirt, ist seit 2000 am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie als Projektleiter beschäftigt. In der Abteilung "Stoffströme und Ressourcenmanagement" leitete er zahlreiche überjährige Forschungsprojekte, welche sich mit dem Ordnungsrahmen und den Handlungsbedingungen abfallwirtschaftlicher Unternehmen befassten.

[weitere Titel]
Prof. em. Dr. Reinhard Pfriem
Reinhard Pfriem

war bis 2017 Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Unternehmensführung und Betriebliche Unternehmenspolitik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

[weitere Titel]
Prof. Dr. Claus Thomasberger
Claus Thomasberger

FHTW Berlin, International Economics

[weitere Titel]
dem Verlag bekannte Rezensionen
  • "Gesamtkunstwerk" ...
    Marx200 mehr...
  • "anregende Lektüre nicht nur für kritische Ökonomen" ...
    Contraste, 405, Juni 2018, S. 11 mehr...
  • "recht interessante Zusammenstellung" ...
    Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7.5.2018, S. 18 mehr...
das könnte Sie auch interessieren
Aufsätze als PDF-Download