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Friday, March 22, 2019
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Das Gespenst säkularer Stagnation

Ein theoriegeschichtlicher Rückblick

117 Seiten ·  16,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-7316-1331-2 (September 2018 )

Personen- und Sachregister

 
 

Wenn es Gründe dafür gibt, dass eine Wirtschaft sich entwickelt und wächst, dann muss es auch Gründe dafür geben, dass sie dies nicht tut. Was sind das für Gründe und welche davon tragen zur Erklärung aktueller stagnativer Tendenzen in zahlreichen Ökonomien bei?

Hat sich das Klima des Wachstums und der Prosperität verflüchtigt? Stehen wir gar am Beginn einer säkularen Stagnation? Kommt "reifen" Wirtschaften die Dynamik abhanden? Sind stagnative Tendenzen Ausdruck sich kumulierender Umwelt- und Ressourcenprobleme? Ist der Strukturwandel weg von der Industrie, hin zu den Dienstleistungen verantwortlich? Welche Rolle spielen eine sich verstärkende Ungleichheit in der Einkommens- und Vermögensverteilung und die sich ergebende Schwemme an Ersparnissen? Finden diese Ersparnisse nur schwer rentable Anlage, weil Erfindungsgabe und Kreativität schwächeln? Was sind die Auswirkungen auf Gesellschaft, Kultur und Politik? Stehen wir an der Schwelle tiefgreifender und weitreichender ökonomischer und politischer Umwälzungen?

Der Essay gibt einen Überblick über bedeutende stagnationstheoretische Erklärungen seit dem Beginn systematischer ökonomischer Analyse im 18. Jahrhundert bis in heutige Zeiten. Behandelt werden u.a. Beiträge klassischer, neoklassischer und keynesianischer Autoren sowie jene von Joseph A. Schumpeter und Thomas Piketty.

Es zeigt sich: Zum relativ frühzeitig bereits ansehnlich gefüllten Arsenal an stagnationstheoretischen Argumenten ist in jüngster Zeit wenig wirklich Neues hinzugekommen, aber so manches brauchbare Alte verloren gegangen. Geändert haben sich vor allem die Kombinationen der Argumente, der Stil und die als Beleg angeführte Empirie.

Das Blättchen. Zweiwochenschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft, Jahrgang 21, Nr. 26, 17. Dezember 2018, S. 6-7 ()

"... Dem Stagnationsgedanken lässt sich theoretisch und politisch aber noch einiges mehr abgewinnen. So behandelt beispielsweise der österreichische Ökonom Heinz D. Kurz in seinem neuesten Buch die wirtschaftliche Stagnation als "Ausdruck des strukturellen Wandels der Gesellschaft und ihres erzielten 'Reifegrads' oder 'Alters'" sowie als "Vorboten revolutionärer Umwälzungen und eines danach erfolgenden Neubeginns". Schließt man sich dieser Lesart an, so rückt der Begriff der "säkularen Stagnation" in die Nähe des heute allgegenwärtigen Transformationsbegriffs: Die aktuelle Transformationstheorie deutet die sich seit dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts vollziehenden Wandlungsprozesse in Wirtschaft, Gesellschaft, Zeitgeist, Kultur und so weiter als den Beginn einer "Großen Transformation" - weg von der kapitalistischen und hin zu einer postkapitalistischen Ordnung.

Interessanterweise stimmt die hier ins Auge gefasste zeitliche Dimension mit dem Phänomen der "säkularen Stagnation" überein: Seit den 1970er Jahren finden wir sinkende Wachstumsraten und vermehrte Hinweise auf eine allgemeine Tendenz zur Stagnation. Zumindest in den entwickelten Volkswirtschaften der Welt. Die bloße Deskription dieses Prozesses und seine Darstellung anhand ökonomischer Daten genügt aber nicht. Für eine ernsthafte wissenschaftliche Argumentation bedarf es zudem einer theoretischen Begründung dafür und einer Fassung des Phänomens als Vorbedingung oder Begleiterscheinung der Transformation. Diese fehlt bisher und wird auch nicht so leicht zu erbringen sein, denn die ökonomischen Theorien basieren fast durchweg auf Wachstumsmodellen.

Es ist nun das Verdienst von Heinz D. Kurz, in umfangreichen Untersuchungen wenigstens einige der theoretischen Ansätze daraufhin analysiert zu haben, was sie in Bezug auf die hier behandelte Fragestellung zu leisten vermögen. Im Zentrum seiner Analyse stehen die klassischen Theorien von Adam Smith, David Ricardo, Thomas R. Malthus, John Stuart Mill und Karl Marx. Ferner die marginalistischen Auffassungen von William Stanley Jevons, Léon Walras und William Baumol sowie die Theorien von John M. Keynes, Michal Kalecki, Josef Steindl, Joseph A. Schumpeter und Thomas Piketty.

All diese Theorien enthalten Aussagen zur "säkularen Stagnation". Der Schluss des Autors ist jedoch bemerkenswert: Sowohl klassische Ökonomen als auch Keynesianer erklären die Stagnationstendenzen in der Wirtschaft endogen, also aus der Funktionslogik der Ökonomie, was sie als unvermeidlich erscheinen lässt. Demgegenüber behandeln neoklassische Denker sie als exogen, als von außen vorgegeben und mithin vermeidbar. Erstere Theoretiker unterstellen damit in ihrem Ansatz eine allmähliche Selbsttransformation von Wirtschaft und Gesellschaft im Zuge ihrer Entwicklung, während letztere die tendenzielle Stagnation als ein Resultat der Verringerung der Produktionsfaktoren und ihrer Wirksamkeit begreifen. Es ist folglich in erster Linie eine Frage des theoretischen Standpunktes und der Interpretation der empirischen Daten, ob "säkulare Stagnation" stattfindet oder nicht und ob diese begrüßt wird oder abgelehnt. Vielleicht gibt es diese in der Realität aber auch gar nicht, und ist sie nur ein theoretisches Konstrukt der Ökonomen, ein manchen Angst machendes, anderen durchaus willkommenes "Gespenst"."




the author
Prof. Dr. Heinz D. Kurz
Heinz D. Kurz ist seit 1988 Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre am Department of Economics der Universität Graz. [weitere Titel]
dem Verlag bekannte Rezensionen
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