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Wednesday, September 18, 2019
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Das NiGEM-Modell: neue Argumente für Lohnmoderation?
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Das NiGEM-Modell: neue Argumente für Lohnmoderation?

15 Seiten · 2,88 EUR
(Juni 2016)

 
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Aus der Einleitung:

Jan Priewe hat sich mehrfach zu der Frage geäußert, welche Wirkungen auf Produktion und Beschäftigung von einer Senkung des allgemeinen Lohnniveaus ausgehen. Dabei hat er sich im Sinne von Keynes gegen die neoklassische Argumentation gewandt, der zufolge Lohnsenkungen die Beschäftigung erhöhen und daher ein Weg seien, um die Beschäftigungssituation zu verbessern. Bekanntlich lässt sich diese Argumentation nicht halten, sobald man die Kreislaufwirkungen dieser Politikmaßnahmen einbezieht. Keynes hat die gegenläufigen Kreislaufeffekte einer kombinierten Nominallohn-, Reallohn- und Preisniveausenkung und ihren unvorhersehbaren Saldo sorgsam herausgearbeitet. Dennoch erweist sich dieser Topos als "Evergreen" der ökonomischen Diskussion, wie Kalmbach (1985) so treffend formuliert hat. Daher muss auch immer wieder erneut gegen die genannte wirtschaftspolitische Forderung argumentiert werden.

Seit Pigous Wiederentdeckung des Geldvermögenseffektes bestand die Strategie der neoklassischen Synthese darin, diesen Effekt und den Zinseffekt herauszugreifen, die für sich genommen einen positiven Beschäftigungseffekt erwarten lassen. Da rasch erkennbar ist, dass dem positiven Geldvermögenseffekt ein negativer Geldschuldeneffekt gegenübersteht und dem Zinseffekt ein Geldmengeneffekt, wurden alsbald beide Effekte zum weniger direkt durchschaubaren "Realkassen-Effekt" zusammengefasst, der angeblich eine positive Wirkung der Lohnsenkung auf die Beschäftigung garantiert. Welche Annahmen zu dieser Einschätzung nötig sind, bleibt dann meistens unerwähnt und im Dunkeln.

Inzwischen hat die Verdunklung der Zusammenhänge eine höhere Stufe erreicht, indem man sich zur Stützung der neoklassischen Position auf ökonometrisch geschätzte Mehrgleichungsmodelle beruft, aus denen das entsprechende Resultat – angeblich empirisch fundiert – abgeleitet werden kann. Da zu den niedrigeren Stufen alles Notwendige bereits gesagt ist, möchte ich mich in diesem Beitrag auf diese "höhere Stufe" beschränken.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
the author
Prof. Dr. Jürgen Kromphardt
Jürgen Kromphardt

langjähriger Vorsitzender der Keynes-Gesellschaft, seit 2013 Ehrenvorsitzender. Tätigkeit in der EWG-Kommission in Brüssel, Habilitation in Münster, 1968-1980 o. Professor der Volkswirtschaftslehre in Gießen, danach an der TU Berlin, 1999-2004 Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

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