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Die Marktwirtschaft passt noch nicht zur nachhaltigen Entwicklung
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Die Marktwirtschaft passt noch nicht zur nachhaltigen Entwicklung

11 Seiten · 2,39 EUR
(20. März 2013)

 
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Abstract:

Noch wird das Modell nicht richtig verstanden. Es ist von schicksalhafter Bedeutung, ob die faktische Wirtschaftsordnung Externalisierung zulässt oder verbietet. Früher hat das darüber entschieden, ob Gesellschaften untergingen oder überlebten, heute entscheidet es über die Selbstzerstörung oder die Nachhaltige Entwicklung der Menschheit. Denn Externalisierung ist das Gegenteil von Nachhaltigkeit, und die real geltenden Regeln des wirtschaftlichen Verhalten vereiteln die Nachhaltige Entwicklung, weil sie es erlauben, dass Kosten externalisiert – also Aufwendungen zur Erhaltung jener Gemeingüter unterlassen werden, die die Grundlagen des Lebens und der Produktion bilden. Es sind naturgegebene Ressourcen wie die Rohstoffe oder das Klima und sozial gestaltete Ressourcen wie die Gesundheit oder die Bildung, sie haben Gemeingut-Charakter, selbst wenn sie sich im Privatbesitz befinden, und sie müssten vor der Übernutzung, dem Raubbau, ebenso geschützt werden wie die privaten Produktionsanlagen, Maschinen, Werkzeuge usw., die wir selbstverständlich ersetzen, wenn sie abgenutzt sind. Wenn das nicht geschieht, bereichert sich die Gesellschaft im Maß des Substanzverzehrs, denn das Unterlassen der Erhaltungs- Aufwendungen spart Kosten, senkt Preise und erhöht Gewinne, all das aber zu Lasten der künftigen Lebens- und Produktionsgrundlagen. Die gegenwärtigen Preissenkungen kommen allen Gesellschaftsschichten zugute und verschaffen der Externalisierung eine so allgemeine Duldung, dass es zum Tabu wird, sie in Frage zu stellen. Die Gewinnsteigerungen dagegen kommen überproportional den reicheren Schichten zugute. Deren Privilegien werden nicht nur durch die Bereicherung verstärkt, sondern auch dadurch, dass das Tabu sich von der Externalisierung auf die Ungleichverteilung überträgt. Weil die Mehrheit auch diese fraglos hinnimmt, wird der Substanzverzehr nicht rechtzeitig beendet, denn das Tabu bewirkt, dass die "Minderschätzung der künftigen Bedürfnisse" (Böhm-Bawerk) im praktischen Leben nicht erkannt und von der ökonomischen Theorie nicht revidiert wird. Das Tabu gilt eben auch für die Ökonomie. Das Modell der sozialen Marktwirtschaft wird erst dann mit Nachhaltiger Entwicklung kompatibel, wenn der Wettbewerb theoretisch so konzipiert und ordnungspolitisch so geregelt wird, dass er für den privaten und öffentlichen Wohlstand unter einer Nebenbedingung sorgt, die ihm bisher nicht zugemutet wird: Die genutzten Gemeingüter zu erhalten. Das ist mein Thema.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/2012
Holger Rogall, Hans-Christoph Binswanger, Felix Ekardt, Anja Grothe, Wolf-Dieter Hasenclever, Ingomar Hauchler, Martin Jänicke, Karl Kollmann, Nina V. Michaelis, Hans G. Nutzinger, Gerhard Scherhorn (Hg.):
Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/2012
the author
Prof. em. Dr. Gerhard Scherhorn
Gerhard Scherhorn

am Institut für Haushalts- und Konsumökonomik der Universität Hohenheim. Seit 1996 Direktor der Arbeitsgruppe "Neue Wohlstandsmodelle" im Wuppertal Institut. Am 28.02.2018 ist Gerhard Scherhorn im Alter von 88 Jahren verstorben.

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