sprache deutsch
sprache english
» Zum Merkzettel
0 Artikel
» Zum Warenkorb
0 Artikel - 0,00 EUR


 Startseite » Gesellschaft 

Die Verfassung der kulturell fragmentierten Gesellschaft

Zur wissenssoziologischen Grundlegung eines verfassungsökonomisch formulierten Sozialvertrages

"Institutionelle und Evolutorische Ökonomik"  · Band 13

Habilitationsschrift

303 Seiten ·  32,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-89518-329-4 (März 2001 )

 
lieferbar sofort lieferbar

 

Unter modernen Bedingungen bestimmt der Umgang mit Fremden einen immer größeren Teil der menschlichen Sozialbeziehungen. Um die damit verbundenen Gefahren in den Griff zu bekommen, müssen sich immer mehr Menschen mit immer heterogeneren Wissensbeständen auf adäquate Spielregeln für individuelles Handeln einigen. In einem ersten von drei Schritten zeigt das vorliegende Buch, dass sich Menschen das zum Handeln benötigte Wissen über die Verinnerlichung sozial konstruierter Wissenssysteme aneignen (Berger/Luckmann, Popper, Wittgenstein) und dass ein großer Teil des so erworbenen Wissens impliziter Natur ist (M. Polanyi). Explizites Wissen bringen die Menschen erst hervor, wenn sie sich kontrovers mit diesem gemeinsamen Wissensbestand auseinandersetzen (Arendt, Latour).

Im zweiten Teil der Arbeit wird die Lage von Menschen thematisiert, die vielen unterschiedlichen Wissensgemeinschaften gleichzeitig angehören können. Weil sie dann zwischen den Gruppen hin und her wechseln und möglicherweise die eine gegen die andere ausspielen können, werden sie füreinander zunehmend unberechenbar. Dann aber dürfen sie sich nicht mehr auf die konkreten Wissensbestände ihrer Gemeinschaften verlassen, sondern müssen sich konventionelle Vorstellungen über die Welt und den adäquaten Umgang mit ihr zu eigen machen (Dewey, Rorty). Das Ergebnis ist die Ausbreitung eines Weltbildes, das durch die Unsicherheit der eigenen Wissensbasis gekennzeichnet ist, durch Individualismus und das Streben nach vielfältig einsetzbaren Ressourcen (Ayres).

Im dritten Teil der Arbeit wird diese Sicht auf die Welt dazu benutzt, ein konventionalistisches Weltmodell als Grundlage für kollektives Handeln vorzuschlagen. In dem Maße, in dem die Menschen den Konsens wollen, werden sie ein Modell ihrer Lage als Verhandlungsgrundlage hinnehmen, das wie eine Regressionsfunktion die aufsummierte Differenz zu den in der Gesellschaft vorhandenen Weltbildern minimiert. Gelingt ihnen das, können sie dem politischen Prozess einen gemeinsamen Ausgangspunkt verschaffen, der ihnen unter Rückgriff auf möglichst viel des in der Gesellschaft verstreuten Wissens (Hayek) die Identifikation und Bereitstellung öffentlicher Güter erlaubt (Olson, Buchanan). Weltmodell und resultierendes Regelwerk sind dabei nicht statisch, sondern müssen im politischen Meinungs- und Willensbildungsprozess kontinuierlich an sich ändernde Verhältnisse angepasst werden.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2001 ()

"So verkürzt, wie sie geführt worden ist, hat die Diskussion um eine 'Leitkultur' - die jetzt im Ringen um ein Zuwanderungsgesetz als Folge der Terroranschläge in den Vereinigten Staaten neu aufflammen dürfte - wohl niemanden weitergebracht. Worum es bei solchen Debatten eigentlich gehen sollte, arbeitet Horst Hegmann in seinem Buch heraus: Wie kann eine Gesellschaft, die in Gruppen mit unterschiedlichen Weltbildern zerfällt, einen Minimalkonsens finden, auf dessen Grundlage das Zusammenleben organisiert werden kann?

Das Thema reicht viel weiter als nur bis zur Multi-Kulti Gesellschaft: Hegmanns Frage stellt sich überall, wo die Globalisierung der Wirtschaft bestehende Gemeinschaften erodiert und eine neue, wie Hayek es nannte, 'große Gesellschaft' entsteht, in der alte Gewißheiten keinen Bestand mehr haben. Hegmanns Ausgangsdiagnose ist damit nicht weit entfernt vom Befund der Kommunitaristen wie Michael Walzer oder Amitai Etzioni. Sie klagen darüber, daß die Globalisierung zwar Wohlstand und Reichtum schaffen, nicht aber das Bedürfnis der Menschen nach kultureller Geborgenheit und stabilen sozialen Beziehungen befriedigen könne. Dem kommunitaristischen Impuls, die Globalisierung angesichts dieser Diagnose ein wenig zurückzunehmen, gibt Hegmann aber nicht nach. Vielmehr macht er sich auf die Suche nach einem Basis-Sozialvertrag, auf dessen Grundlage die Gesellschaft funktionieren kann, ohne die Früchte der Globalisierung aufs Spiel zu setzen." ...



Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie, Band 90/1 2004, S. 118-120 ()

"Wer heutzutage gebeten wird, eine Habilitationsschrift zu besprechen, der ist erfreut, ein angenehm 300 Seiten kurzes, schon auf den ersten Blick klug konzipiertes und schlank, ja packend geschriebenes Werk zu erhalten, dessen Fächer übergreifende Anlage über Soziologie, Politikwissenschaften und Verfassungsökonomik auch für denjenigen von großem Interesse ist, der, wie der Verfasser dieses kurzen Berichts, aus der politischen Philosophie und dem (öffentlichen) Recht kommt. Dabei skizziert Horst Hegmann nichts weniger als eine eigene Gesellschaftstheorie, die nach seinem plötzlichen Unfalltod als Summa eines unvollendeten Lebenswerks gelten wird. ...

Entsprechend verfährt Hegmann: Im ersten Hauptteil seines Buches beschreibt er, wie sich eine solche Wissensgemeinschaft anknüpfend vor allem an das wissensoziologische Werk Bergers und Luckmanns konstruieren lässt, im zweiten Teil, welche Probleme sich für eine Gemeinschaft und ihre Mitglieder ergeben, wenn sie auf andere Wissensgemeinschaften treffen, und im letzten Hauptteil macht er den Vorschlag, die Probleme einer aus vielen Wissensgemeinschaften bestehenden Gesamtheit durch vertragstheoretische Überlegungen verfassungsökonomischer Provenience zu lösen. ...

Auch wenn man des Autors radikal konstruktivistischen Ansatz nicht teilen möchte: Hegmann ist ein Wurf gelungen, der deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient, als er üblicherweise Habilitationen zukommt. Aus ihm sprich ein so seltener interdisziplinärer und schöpferischer Geist, der die Rechtsphilosophie noch lange befruchten sollte.




the author
dem Verlag bekannte Rezensionen
  • "Worum es bei solchen Debatten eigentlich gehen sollte, arbeitet Horst Hegmann in seinem Buch heraus" ...
    Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2001 mehr...
  • "Aus ihm sprich ein so seltener interdisziplinärer und schöpferischer Geist, der die Rechtsphilosophie noch lange befruchten sollte." ...
    Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie, Band 90/1 2004, S. 118-120 mehr...
das könnte Sie auch interessieren