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Die Volkswirtschaftslehre als historische Wissenschaftstheorie
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Die Volkswirtschaftslehre als historische Wissenschaftstheorie

15 Seiten · 3,44 EUR
(Juni 2010)

 
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Aus der Einleitung:

Man kann nicht gerade behaupten, dass die Wirtschaftswissenschaft den epistemologischen Grundlagen ihrer Forschungspraxis großes Augenmerk widmet. Das gilt nicht allein, jedoch besonders deutlich für die Entwicklung der Wirtschaftswissenschaft im deutschen Sprachraum. Ihr gelang es zwar, in der Nachkriegsära den Anschluss an eine Wissenschaftsentwicklung zu finden, die durch eine Internationalisierung – in der Wirtschaftswissenschaft vornehmlich angelsächsisch geprägt – bestimmt war. Aber dabei hat sich Wissenschaft im Allgemeinen wie die Wirtschaftswissenschaft im Besonderen quasi naturwüchsig, ohne ausdrückliche epistemologische Reflexionen, allmählich weltweit durchgesetzt. Darin spiegelt sich eine mit dem Aufstieg der Naturwissenschaften im 19. Jahrhundert verbundene Wissenschaftsphilosophie wider, die vom zu untersuchenden Subjekt ausgeht und von daher den Zusammenhang von Begriff und Objekt klärt. Man kann dabei mit Rheinberger von der Wissenschaft als System sprechen. Dieses erkenntnistheoretische Muster hat ebenfalls die Genesis einer Wirtschaftswissenschaft bestimmt; im Gefolge ist sie zu einer angelsächsisch inspirierten Wissenschaft geworden.

Selbstredend verbirgt sich hinter dieser Orientierung eine die einzelne Wissenschaftsdisziplin übergreifende Vorstellung darüber, was Erkenntnis zu einer Wissenschaft macht; im Fall der wirtschaftswissenschaftlichen Forschungspraxis des deutschen Sprachraums kommt hinzu, dass sie eine Reaktion auf den theoriefeindlichen Historismus und die Wissenschaftsfeindlichkeit des Nationalsozialismus bildet. Diese Tradition – ihr universalistischer Anspruch, was Wissenschaft bestimmt – wird derzeit brüchig. Denn die herrschende Wissenschaftstheorie blendet mit ihrer Projektion auf eine Vielzahl von Wissenschaftsdisziplinen, die, unverbunden nebeneinander stehend, ihren Eigenwert aus sich selber, eben als Systeme, erhalten, die Frage nach der Genesis und der aus ihr entspringenden Entwicklung der Wissenschaft aus. Mit deren Behandlung rückt eine Analyse in den Mittelpunkt, die nicht mehr am zu untersuchenden Subjekt, sondern am zu erkennenden Objekt ansetzt und von daher den Zusammenhang von Begriff und Objekt klärt. Die Erkenntnistheorie wird historisch. Demgegenüber bleibt die herrschende Wissenschaftstheorie in dem Sinne ahistorisch, als sie die Teleologie eines Erkenntnisfortschritts hin zum etablierten Status der Wissenschaftsdisziplin postuliert. So wird im kritischen Rationalismus eines Popper der Erkenntnisfortschritt zu einer Abfolge von Falsifikationen. Folgerichtig verzichtet er auf eine Untersuchung der Frage, wie neues Wissen entsteht, verweist sie vielmehr in den Bereich der Psychologie und spricht ihr damit einen erkenntnistheoretischen Stellenwert ab. Bekanntlich hat allen voran Kuhn, sich ausdrücklich gegen Popper wendend, wissenschaftstheoretisch begründete Kritik an der traditionellen Vorstellung von einer kontinuierlichen Anhäufung von Wissen, kurz, einer kumulativen Entwicklungslinie, geübt und ihr die Auffassung von wissenschaftlichen Revolutionen gegenübergestellt. Jedoch ist es nicht erforderlich, auf den Revolutionsbegriff zu insistieren; so spricht Toulmin von gradualistischen, allmählichen Veränderungen innerhalb einer Wissenschaftsdisziplin – und meint dasselbe wie Kuhn.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Eigentum und Recht und Freiheit
Detlev Ehrig, Uwe Staroske (Hg.):
Eigentum und Recht und Freiheit
the author
Prof. Dr. Hajo Riese
Hajo Riese

em. Professor für Wirtschaftspoliitk und Wirtschaftsgeschichte der FU Berlin. Mitherausgeber der Buchreihe "Studien zur monetären Ökonomie" im Metropolis-Verlag.

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