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Sunday, September 15, 2019
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Die Wahl der Diskontrate bei der Bewertung von Kosten und Nutzen der Klimapolitik
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Die Wahl der Diskontrate bei der Bewertung von Kosten und Nutzen der Klimapolitik

61 Seiten · 7,46 EUR
(Oktober 2009)

 
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Aus der Einleitung:

Die Veröffentlichung des “Stern Review on the Economics of Climate Change” (im Folgenden der Einfachheit halber „Stern-Report“ genannt) führte zur Wiederbelebung einer bereits seit Jahrzehnten unter Ökonomen geführten Debatte um die Frage, wie stark in der Zukunft anfallende Kosten und Nutzen gewichtet bzw. diskontiert werden sollten. Die Diskussion um die ‚richtige‘ soziale Diskontrate hat dabei die Grenzen der ökonomischen Fachwelt überschritten und sogar Einzug in Publikumszeitschriften wie die New York Times oder The Economist gefunden. Ein hoher Diskontierungssatz senkt das relative Gewicht zukünftiger Kosten und Nutzen, während umgekehrt ein niedriger Diskontsatz zugunsten der Zukunft wirkt. Dies zeigt das folgende einfache Beispiel: Nehmen wir an, dass infolge heute unterlassenen Klimaschutzmaßnahmen nach 100 Jahren ein Schaden in Höhe von 1 Billion Euro entsteht. Bei einem Zinssatz von r = 1% beträgt der Barwert dieses Schadens ca. 370 Mrd. Euro. Er sinkt auf 52 Mrd. Euro, wenn man stattdessen r = 3% als Diskontrate verwendet. Diese Zahlen besagen, dass heutige Klimaschutzmaßnahmen bei einem Zinssatz von 1% siebenmal mehr kosten dürfen als bei einem Zinssatz von 3%. Entsteht der Schaden statt in 100 erst in 200 Jahren, so wächst dieses Verhältnis sogar auf 50 an. Welche Umweltschutzmaßnahmen oder allgemeiner welche Zukunftsinvestitionen lohnend erscheinen, hängt somit in entscheidendem Maße vom zugrundeliegenden Diskontfaktor ab. Dessen Einfluss ist dabei umso stärker, je länger der Zeithorizont ist. Gerade beim Treibhauseffekt reichen die Konsequenzen heutiger Politik aber bis in die ferne Zukunft hinein, so dass der Klimawandel ein Paradebeispiel für die unterschiedlichen Wirkungen der Diskontierung über lange Zeiträume hinweg liefert. Deshalb ist es alles andere als erstaunlich, dass sich die neuerliche Diskussion um eine angemessene Zukunftsbewertung gerade jetzt entzündet hat, nachdem die Gefahren der Erderwärmung in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses gerückt sind. Zahlreiche Simulationsstudien zeigen deutlich, wie stark das Verhältnis von Kosten und Nutzen der Klimapolitik von der Diskontrate bestimmt wird. Schon unsere kleine Beispielrechnung hat eindrücklich klar gemacht, dass in 200 Jahren auftretende Schäden bei einem Zinssatz von r = 3% für heutige Entscheidungen nahezu irrelevant sind und sich entsprechende Vermeidungsmaßnahmen eigentlich gar nicht lohnen. Dass im Stern-Report hingegen mit einer wesentlich geringeren Diskontrate von nur 1,4% operiert wurde, lässt – salopp gesagt – den zukünftigen Generationen zumindest eine gewisse Chance. Um die Entscheidung des Stern-Reports für einen im Vergleich zu den meisten anderen Kosten-Nutzen-Analysen eher niedrigen Diskontsatz hat sich eine intensive Auseinandersetzung entwickelt, in der renommierte Ökonomen wie Arrow, Nordhaus und Weitzman sich vehement gegen Sterns Position gewandt haben. Das Ziel unseres Beitrages ist es, diese vielschichtige und zum Teil etwas verwirrende Diskussion so nachzuzeichnen und zu kommentieren, dass die darin vertretenen Grundpositionen deutlich zu Tage treten. Dabei werden – über die eigentliche Diskussion des Stern-Reports hinaus – die grundlegenden Aspekte der langfristigen, über verschiedene Generationen hinweg reichenden Diskontierung behandelt. Obwohl die Klimaschutzthematik die Vorlage für unsere Betrachtungen liefert, sollen die hier angestellten Überlegungen also von wesentlich allgemeinerer Bedeutung sein.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
the authors
Prof. Dr. Wolfgang Buchholz

Universität Regensburg, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl für Finanzwissenschaften insbesondere Umweltökonomie

Prof. Dr. Karl-Heinz Paquè
Karl-Heinz Paquè

Universität Magdeburg, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften Lehrstuhl für Internationale Wirtschaft

Prof. Dr. Michael Rauscher
Michael Rauscher

Universität Rostock, Fakultät für Volkswirtschaftslehre, Lehrstuhl für Außenwirtschaft

Jan Schumacher

Universität Regensburg, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät Lehrstuhl für Volkswirtschaftlehre insbesondere Ökonometrie