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Eigentum und Verpflichtung
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Eigentum und Verpflichtung

Einige juristische Aspekte

26 Seiten · 4,58 EUR
(13. Februar 2007)

 
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Aus der Einleitung der Herausgeber:

Für Wolfgang Theil liefert die Eigentumstheorie einen interessanten Zugang zum Verständnis der Wirtschaft. Ein Blick auf den differenzierten juristischen Sprachgebrauch zeigt, dass – anders als im alltäglichen und sozialwissenschaftlichen Sprachgebrauch – die Identifikation von Eigentum mit materiellen oder immateriellen Gegenständen unzutreffend und die Identifikation von Eigentum mit Verfügungs- und Ausschlussrechten in mehrerer Hinsicht unvollständig ist. Die von Heinsohn und Steiger vorgeschlagene Übernahme der juristischen Unterscheidung zwischen Eigentum und Besitz in die Sozialwissenschaften ermöglicht es hingegen, den Zusammenhang zwischen Eigentum, vertraglichen Verpflichtungen zwischen Gläubigern und Schuldnern sowie Geld auf eine Weise zu konzeptualisieren, die mit der juristischen und ökonomischen Wirklichkeit funktionierender bürgerlicher Gesellschaften ebenso im Einklang steht wie mit einschlägigen Ergebnissen der ethnologischen und historischen Forschung.

Nur Eigentumsrechte an Gegenständen stellen Vermögen dar. Der Autor zeigt, wie Juristen im Unterschied zu Ökonomen stets auf sprachliche Klarheit in diesem Punkt Wert legen. Eigentumsrechte sind Vermögensrechte. Die rechtsgeschäftlichen Verfügungsmöglichkeiten des Eigentümers beinhalten Freiheiten: Sie erlauben ihm, Eigentumsrechte per freiwillig geschlossenem Vertrag an beliebige andere geschäftsfähige Personen zu übertragen und sie erlauben, Eigentumsrechte durch Belastung einzuschränken und dadurch Kredit zu bekommen oder zu geben. Eigentumsrechte beinhalten aber auch Verpflichtungen: ein Eigentümer haftet mit seinem Eigentum für Verpflichtungen, die er gegenüber seinen Gläubigern eingegangen ist. In der vorherrschenden ökonomischen Theorie spielt dies keine Rolle. Haftung und ihre Bedeutung für die Kalküle der Wirtschaftssubjekte ist weder in das liberale noch in das Marxsche Modell der Wirtschaft systematisch integriert worden.

Theil zeigt, dass es wechselseitige Verpflichtungen zwischen Gesellschaftsmitgliedern in allen Gesellschaftsformen gibt, dort jedoch verschieden strukturiert sind. In Eigentümergesellschaften ist die Haftung mit dem als Sicherheit eingesetzten Eigentum ein bedeutendes Element. Die Haftung und das daraus entstehende Verlustrisiko des Schuldners, dem die Sicherheit des Gläubigers spiegelbildlich gegenübersteht, bildet eines der zentralen Momente, die vertragliche Verpflichtungen zwischen freien Bürgern von verwandtschaftlichen Solidarpflichten und feudalen Abgabenpflichten unterscheiden. Die Haftung bildet ein wesentliches Strukturelement jener Gläubiger-Schuldner-Beziehungen, die die „Basis des Kapitalismus” bilden.

Der Autor sieht in den Ansätzen einer Theorie der Geldwirtschaft, die sich als Gegenentwurf zum neoklassischen, auf die Vorstellung des Gütertauschs aufbauenden Modell verstehen, einen Konsens darüber, dass Geld kein Gut ist und dass in Marktwirtschaften monetäre Kalküle, nicht materielle Nutzungskalküle, die primäre Grundlage für Entscheidungen über den Einsatz von Ressourcen darstellen.

Dies wirft ein neues Licht auf die Frage, wie in einem Modell der Geldwirtschaft, das Geld nicht als „Gut” auffasst und Geld- und Gütersphäre analytisch trennt, das Verhältnis beider Sphären konzeptualisiert werden kann. Die Analyse der Bedeutung des Eigentums und der daran gebundenen Haftung für die Motivationslage von Gläubigern und Schuldnern wirft zudem Licht auf die offenbar übersehene einfache Tatsache, dass ohne Institutionen, die die Zwangsvollstreckbarkeit von Verträgen garantieren, eine funktionierende Geldwirtschaft nicht entstehen kann.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Verpflichtungsökonomik
Hans-Joachim Stadermann, Otto Steiger (Hg.):
Verpflichtungsökonomik
the author
Wolfgang Theil

Mösslingen