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Finanzglobalisierung versus Kapitalverkehrsmanagement
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Finanzglobalisierung versus Kapitalverkehrsmanagement

27 Seiten · 5,78 EUR
(Juni 2011)

 
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Aus der Einleitung der Herausgeber:

In der Ausarbeitung von Bibow wird anfangs die Frage aufgeworfen, ob die Finanzglobalisierung der letzten Dekaden überhaupt sinnvoll gewesen ist. Mit dem Schlagwort 'Washington Consensus' wurde die Liberalisierung der Kapitalströme vorangetrieben, um nachhinkenden Nationen ungehinderten Zugriff auf das weltweite Geldvermögen zu ermöglichen. Diese Mittel würden die Wirtschaften der Entwicklungsländer voranbringen und somit die Wohlfahrt fördern. Hinter solchen Rezepten steht die Vorstellung, dass die Ersparnisse einen 'loanable funds' bilden, aus dem Investitionen gespeist werden. Ein sinkender Zins dank global vagabundierender Kaufkraft leiste dabei seinen Beitrag zur Prosperität. Letztlich diszipliniere die 'Weisheit der Märkte' die Wirtschaftspolitik.

Diese Meinung kritisiert Bibow aus liquiditätspräferenztheoretischer sowie aus empirischer Sicht. Wenn Kapitalzuflüsse eine Aufwertung der Währung nach sich ziehen, kann ein Leistungsbilanzdefizit die Folge sein, das auf eine verringerte Konkurrenzfähigkeit verweist. Solche Erfahrungen deuten auf Mängel der propagierten Position, die es erforderlich machen, Möglichkeiten eines systematischen Kapitalverkehrsmanagements zu eruieren. Ein gewisses Umdenken erfolgte schon nach der Asienkrise der 90er Jahre. Entwicklungsländer, die einen Leistungsbilanzüberschuss anstrebten, haben sich um einen konstanten Wechselkurs bemüht. Von der Warte der etablierten Ökonomik betrachtet, mündet dies in einem ?paradoxen? Resultat, denn es wird nunmehr Kapital exportiert, was mit der herrschenden Kausalitätsvermutung des Verhältnisses zwischen Sparen und Investieren, wenn überhaupt, nur schwer in Einklang zu bringen ist.

Ehe Bibow eine Alternative zur ?loanable funds?-Theorie skizziert, gerät die europäische Finanzintegration ins Visier des Autors. Dabei erwähnt er großzügige Auslandskredite deutscher Banken, welche den Status des (einstigen) Exportweltmeisters erst ermöglicht haben. Permanente Handelsüberschüsse korrespondieren jedoch mit wachsenden Forderungen ans Ausland. Wenn die Darlehensvergabe dorthin an Grenzen stößt, hat das Gläubigerland die Qual der Wahl: Entweder werden die Schuldnernationen alimentiert oder heimische Banken müssen rote Zahlen schreiben. Außerdem ist es nicht ohne ein gerüttelt Maß an Ironie, wie Bibow mit Recht feststellt, dass es gerade Deutschland mit seinem langjährigen Lohndumping ist, das Europa eine Fiskalunion quasi aufzwingt.

Betrachtungen zur US-Geldpolitik runden die Darlegungen ab. Der Exportdrang und die Dollarhortung im Rest der Welt bedeutet für Nordamerika Deflationsdruck, dem die Federal Reserve mit einer monetären Expansion zu begegnen sucht. Dies kommt schließlich in einem Anstieg öffentlicher und privater Schulden zum Ausdruck. Damit gibt es einen recht engen Zusammenhang zwischen der Krise 2007-2009 und der Rolle des US-Dollar im Gefüge der internationalen Wirtschaftsbeziehungen.

Abschließend plädiert der Verfasser für eine Ordnung des internationalen Kapitalverkehrs, welche die aktuelle 'Dschungelordnung' ersetzt.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Nachhaltige Wege aus der Finanz- und Wirtschaftskrise
Fritz Helmedag, Jürgen Kromphardt (Hg.):
Nachhaltige Wege aus der Finanz- und Wirtschaftskrise
the author
Jörg Bibow
Jörg Bibow

Assistant Professor of Economics, Skidmore College, Saratoga Springs, New York, USA, and Research Associate, Levy Economics Institute of Bard College, Annandale-on-Hudson, New York, USA.

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