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Freiheit und Verpflichtung
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Freiheit und Verpflichtung

Der unverhoffte Aufstieg des Vermögensbesitzers und die Folgen

29 Seiten · 4,94 EUR
(13. Februar 2007)

 
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Aus der Einleitung der Herausgeber:

Claus Thomasberger möchte das Verhältnis von Neoklassik, Keynes und den eigentumstheoretischen Ansätzen einer Theorie der Geldwirtschaft unter einem Aspekt diskutieren, der in den bisherigen Debatten kaum eine Rolle spielte: dem Verhältnis von Freiheit und Verpflichtung bzw. von Freiheit und Determiniertheit.

Für die Neoklassik stellt sich dabei überraschend heraus, dass jeder Akteur nur so lange in vollkommener Autonomie bestimmt, welche Güter er in welchem Umfang wählt, wie nur seine eigene Nutzenfunktion betrachtet wird. Die Nutzenfunktion jedes einzelnen Akteurs ist das Ergebnis seiner freien Wahlentscheidung. Tatsächlich haben aber dann die Menschen innerhalb des Allgemeinen Gleichgewichtsmodells nichts mehr zu wählen. Alle Akteure werden zu Preisnehmern. Die Wert- und Preistheorie läßt den Menschen keine Wahl. Sobald wir ihre Neigungen und Vorlieben kennen, verschwinden die Individuen aus der ökonomischen Theorie.

Wie kommt es nun, dass die Menschen, obwohl sie von Natur aus frei und vernünftig sind, sich in derartige Bindungen einlassen? Thomasberger arbeitet heraus, wie sich die Wirtschafter in der neoklassischen Theorie vertraglich binden, um besser versorgt zu sein. Der Vertrag wird nicht nur als Grundlage der menschlichen Beziehungen auf Märkten betrachtet, sondern die gesellschaftlichen Strukturen selbst werden als Resultat menschlichen Willens gedacht. Zur Wahl stehen nicht mehr verschiedene Güter, sondern unterschiedliche institutionelle Ordnungen. So unterscheidet Schumpeter sich von der Neoklassik vor allem dadurch, dass er die Determiniertheit dem ‚Wirt‘ (als Personifizierung der ‚objektivierten Pflicht‘) zuordnet und die Freiheit in die Hände der ‚Unternehmer‘ legt, während Keynes die Freiheit exklusiv den staatlichen Akteuren zuschreibt. Dabei rückt für Keynes der monetäre Charakter der modernen Wirtschaft ins Zentrum der Analyse.

Der Marktmechanismus basiert nicht auf dem Wunsch und Willen der Menschen, sondern dem Geld. Geld ist kein Schleier, der über der ‚realen‘ Wirtschaft liegt, kein bloßes Tauschmittel und auch kein Resultat menschlicher Wahlentscheidung oder Vernunft.

Den verschiedenen Ausformungen, die die Theorien der Geldwirtschaft angenommen haben, sind nach Thomasberger zwei Punkte gemein: Sie halten am Bild einer monetär gesteuerten Wirtschaft fest, und sie reflektieren die Grenzen des Keynesschen Modells, das die Handlungsmöglichkeiten der staatliche Akteure begrenzt und die Wirkungen ihrer Eingriffe nicht eindeutig sind.

Für die Theorien der Geldwirtschaft sieht der Autor zwei miteinander verbundene Antworten bezogen auf das Paradoxon der Freiheit. Zunächst bleiben sie dabei, Freiheit und Determiniertheit unterschiedlichen Akteuren zuzuordnen. Die Differenz zur Keynesschen Konzeption besteht darin, dass der Freiheitsgrad, über den die staatlichen Akteure verfügen, von den Theorien der Geldwirtschaft den Vermögensbesitzern zugeschrieben wird. Das Modell hat den Vorteil, dass nicht nur die privaten Haushalte und die Unternehmen, sondern auch die staatlichen Akteure einer Budgetrestriktion unterliegen. Die Betonung der Funktion des Geldes als Zahlungsmittel erlaubt darüber hinaus, die Beziehung zwischen Vermögensbesitzern (Kreditgebern) und Unternehmen (Kreditnehmern) ins Zentrum zu rücken. Allerdings hat diese andere Sicht einen hohen Preis: Die Freiheit verkommt zu Unbestimmtheit. Die Charakterisierung der Geldwirtschaft als einer ‚Verpflichtungsökonomie’ würde dann darauf anspielen, dass die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel eine Abhängigkeitsbeziehung zwischen Gläubiger (Vermögensbesitzer) und Schuldner (Unternehmer) konstituiert, sondern auch, dass die Interventionen der staatlichen Akteure ihre Schranke an dem Freiheitsgrad der Vermögensbesitzer finden.

Problematisch bleibt für den Autor vor allen Dingen, dass die Theorien der Geldwirtschaft nicht in der Lage sind, die Freiheit, die sie den Vermögensbesitzern zuschreiben, inhaltlich zu füllen. Wenn das marktwirtschaftliche System der Freiheit aller entgegensteht, dann ist eine Theorie der Geldwirtschaft, die sich dem Streben nach einer Vergröße-rung der Freiheit verpflichtet weiß, nur denkbar als kritische Theorie.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Verpflichtungsökonomik
Hans-Joachim Stadermann, Otto Steiger (Hg.):
Verpflichtungsökonomik
the author
Prof. i.R. Dr. Claus Thomasberger
Claus Thomasberger

geb. 1952, bis 2017 Professor für Volkswirtschaftslehre und Außenwirtschaftspolitik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Forschungsschwerpunkte: Politische Philosophie, Geschichte des ökonomischen Denkens, Wirtschaftsgeschichte, Europäische Integration.

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