sprache deutsch
sprache english
» Zum Warenkorb
0 Artikel - 0,00 EUR


Sunday, May 26, 2019
 Startseite » Ökonomie  » Arbeit, Geld, Kapital, Produktion & Preise  » Geld & Finanzmärkte 
Geldangebot der Zentralbank als Marktvorgang
Downloadgröße:
ca. 137 kb

Geldangebot der Zentralbank als Marktvorgang

21 Seiten · 4,22 EUR
(Juni 2010)

 
Ich bin mit den AGB, insbesondere Punkt 10 (ausschließlich private Nutzung, keine Weitergabe an Dritte), einverstanden und erkenne an, dass meine Bestellung nicht widerrufen werden kann.
 
 

Aus der Einleitung:

Dessen völlig ungeachtet, scheint die keynesianische Theorie gerade eine Renaissance zu erleben. Hemmungsloser als je zuvor expandieren öffentliche Schulden für Finanzmarktstützungen und Konjunkturprogramme. Die, die eine Erosion der Gestaltungskräfte öffentlicher Haushalte durch Tilgungszwänge nicht wahrhaben wollen, erliegen erneut dem Missverständnis, man könne den unerfreulichen Erscheinungen der Umverteilungswirkungen durch reichliches Zentralbankangebot zu niedrigen Zinsen entgegenwirken. Es bleibt unverstanden, dass hier die Expansivwirkung der Staatsverschuldung rückgängig gemacht wird und werden muss. Dabei ist leicht zu sehen: Die Staatsverschuldung ist Vermögen der Staatsgläubiger. Der Abbau der Schuld ist Vermögensvernichtung. Wenn diese nicht von den Gläubigern getragen wird, erfordert die Aufrechterhaltung dieser Vermögen eine Vermögenszerstörung oder Einkommenssenkung bei Dritten durch Lastenüberwälzung im Wettbewerb.

Aufgrund der Erfahrung mit der keynesianischen Konjunkturpolitik hat sich bei Zentralbanken, die unabhängig von Regierungen ihr Geldangebot bereithalten, die Überzeugung durchgesetzt, dass in der die Wertveränderung von Vermögensbeständen ignorierenden keynesianischen Theorie zwar eindeutige Handlungsanweisungen für die Geldpolitik bestehen, Versuche ihrer kontrollierten Umsetzung in die Praxis an unzureichender Sicherheit über die Folgen der Entscheidungen dann eben doch sehr schnell scheitern. Die EZB zum Beispiel lehnt in ihren Veröffentlichungen eine antizyklische Geldpolitik ausnahmslos ab. Sie reklamiert unter Berufung auf Unsicherheit, sich auf die Aufgabe beschränken zu müssen, mit Überzeugungskraft eine einzig an der Stabilitätsnorm des EU-Vertrages orientierte Währung zu emittieren. Unsicherheit gewinnt damit in den Äußerungen der EZB eine Bedeutung, die der postkeynesianischen Debatte fremd ist. Postkeynesianisch ist Unsicherheit der Grund, Entscheidungen über den Verzicht auf Liquidität aufzuschieben und die Zeit, in der Unsicherheit hochgradig besteht, durch Halten von Geld oder geldnahen Nominalvermögenswerten zu überbrücken. Keynes und seine Nachfolger nehmen also an, Unsicherheit bestehe ungeachtet ihrer permanenten Existenz sozusagen temporär mit zyklisch unterschiedlicher Undurchdringlichkeit.

Das entspricht nicht der Auffassung der EZB, wie zahlreiche Äußerungen ihrer Repräsentanten zeigen. Dort ist Unsicherheit beständig im gleichen Maße unüberwindbar und es kann entsprechend auch keine Sicherheit über die eindeutig richtige Zentralbankpolitik mit Bezug auf den Konjunkturverlauf geben. Die Aufgabe der Zentralbank reduziert sich dadurch aus ihrer Sicht auf die glaubwürdige Bereitstellung einer über einen längeren Zeitraum preisniveaustabilen Währung. Wie ihr das mit Hilfe des Zweisäulenstrategie genannten Spagats zwischen Quantitätstheorie und Analyse vielfältiger Wirtschaftsdaten gelingt, bleibt allerdings das Geheimnis der EZB. Das interessierte Publikum, das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Stabilitätspolitik der Bank gewinnen soll, stellt nur fest, dass die EZB in ihren Publikationen bei der Begründung der Geldpolitik des Eurosystems ganz nach Bedarf mal die eine, mal die andere „Säule“ als Leuchtturm ihrer Navigation im Geldmeer nutzt. Das hat der EZB mit Recht den Eklektizismusvorwurf eingebracht.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Eigentum und Recht und Freiheit
Detlev Ehrig, Uwe Staroske (Hg.):
Eigentum und Recht und Freiheit
the author
Prof. Dr. Hans-Joachim Stadermann
Hans-Joachim Stadermann

Professor für die Theorie der Wirtschaftspolitik an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin.

[weitere Titel]