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Gewalt an Schulen - Determinanten und Auswirkungen
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Gewalt an Schulen - Determinanten und Auswirkungen

20 Seiten · 4,36 EUR
(17. März 2009)

 
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Aus der Einleitung:

Dieser Beitrag untersucht als einen möglichen Bestimmungsfaktor der Leistung von Schülern alltägliche Formen von Gewalt an Schulen, wie sie von Schülern erlebt werden. Hierzu gehört das Drangsalieren durch Mitschüler oder von Mitschülern geschlagen, verletzt oder bestohlen zu werden. Trotz der häufigen öffentlichen Diskussion dieses Themas in vielen Ländern, insbesondere nach besonders medienwirksamen Ausbrüchen von Gewalt, gibt es kaum empirische Evidenz über das Ausmaß verschiedener Formen von Gewalt sowie die Einflüsse auf die Opfer. Unter anderem könnten die Motivation, Konzentration sowie das Selbstbewusstsein von Schülern leiden, die von ihren Mitschülern schikaniert werden. Gewalt durch Mitschüler könnte daher eine Form von Gruppeneffekten sein, die in der ökonomischen Literatur zur Erklärung der Produktion von Bildung bisher vernachlässigt wurde. Zudem ist das soziale Verhalten von Schülern untereinander eine mögliche Form der nichtmonetären Erträge von Bildung (siehe Beitrag Miethe in diesem Band), die jedoch, wie hier gezeigt, auch aus ökonomischer Sicht bedeutend sein können.

Verschiedene Gruppeneffekte wie der Einfluss der Leistung sowie der Zusammensetzung nach sozialer und ethnischer Herkunft der Mitschüler wurden in der ökonomischen Literatur empirisch untersucht. Gewalt durch Mitschüler wurde mit Ausnahme der Studie von Brown und Taylor (2005) für Großbritannien bisher nicht analysiert, die vergleichbare langfristige negative Effekte finden. Eine verwandte Studie von Le et al. (2005) zeigt, dass Verhaltensstörungen in der Kindheit wie besonders aggressives Verhalten einen negativen Einfluss auf spätere Bildungsabschlüsse und das Einkommen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Die meisten Studien in diesem Gebiet stammen von Pädagogen und Soziologen und haben das Ziel, die Gründe für gewalttätiges Verhalten von Schülern zu erklären. Sie zeichnen zumeist jedoch kein repräsentatives Bild über das Ausmaß verschiedener Formen von Gewalt an Schulen und beziehen sich nicht auf die Auswirkungen von Gewalt auf die Opfer.

Woods und Wolke (2004) finden in einer Studie an Grundschulen in zwei Regionen Großbritanniens keine Evidenz für einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Gewalttätigkeit von Schülern und ihrer Schulleistung. Die Mikrodaten neuerer Schülerleistungsstudien zu diesem Thema wurden bisher kaum ausgewertet. Akiba et al. (2002) untersuchen auf Länderebene die Erklärungsfaktoren von Schulgewalt, finden jedoch nur einen Zusammenhang zur Ungleichheit der Schülerleistung, ohne für Ländereffekte zu kontrollieren. Dieser Beitrag wertet repräsentative Mikrodaten der TIMSS-Studie für 11 europäische Länder sowie der Längsschnittstudie NCDS für Großbritannien aus, um die Determinanten und kausalen Effekte von Gewalt auf Schülerleistungen, später erreichten Bildungsabschluss sowie erzieltes Einkommen zu bestimmen. Die Analyse der TIMSS-Daten bezieht sich auf Schüler in der vierten und achten Klasse, so dass neben dem internationalen Vergleich auch eine Darstellung der Entwicklung zwischen Klassenstufen möglich ist. Die Indikatoren für Gewalt an Schulen sind die Angaben von Schüler in der Befragung, ob sie im vergangenen Monat vor der Befragung durch Mitschüler bestohlen wurden oder geschlagen oder verletzt wurden (?hit or hurt?). Für die Befragung aus dem Jahr 2003 stehen Daten für die Länder Belgien, England, Italien, Lettland, Litauen, Niederlande, Norwegen, Schottland, Slowenien, Ungarn und Zypern zur Verfügung. Neben den TIMSS-Querschnittsdaten werden ebenfalls die Längschnittdaten NCDS für Großbritannien analysiert, um langfristige Effekte messen zu können und die zusätzlichen Informationen zur Schätzung kausaler Effekte einsetzen zu können. Der Indikator zur Erfahrung von Gewalt stammt hier aus Fragebögen für Mütter, in denen angegeben wird, ob und wie häufig das Kind drangsaliert wird (?being bullied?).


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Bildungsökonomie in der Wissensgesellschaft
Martin Held, Gisela Kubon-Gilke, Richard Sturn (Hg.):
Bildungsökonomie in der Wissensgesellschaft
the author
Dr. Andreas Ammermüller
Andreas Ammermüller

geb. 1978, Referent im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Berlin. Arbeitsschwerpunkte: Arbeitsmarkt- und Bildungsökonomie.