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Monday, June 17, 2019
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Kognitiver Kapitalismus

Soziologische Beiträge zur Theorie der Wissensökonomie

276 Seiten ·  36,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-89518-619-6 (Oktober 2007 )

 
 

Die "Wissensökonomie" etikettierten gesellschaftlichen Transformationsprozesse stoßen zunehmend auch in der theoretisch fundierten Soziologie auf Interesse. Von ihr kann verlangt werden, Deutungsmuster zu liefern, die über feuilletonistische Aufmerksamkeitsinszenierungen hinausgehen und mittels derer es nicht zuletzt ermöglicht werden sollte, die "Black-Box" der Wissensökonomie analytisch zu öffnen. Es kommt dabei dem Zuschnitt soziologischer Analysen entgegen, dass die zunehmende Wissensbasierung ökonomischer Aktivitäten sich vor allem als Schnittstellenphänomen manifestiert. Es sind die Relationen und Kopplungen zwischen Ökonomie, Individuum und Gesellschaft, die derzeit das Bild der sich wandelnden Wirtschaft bestimmen. Die im Band behandelten Themen heben hierauf ab. Sie reichen von den veränderten gesellschaftlichen Subjektivierungsformen postfordistischer Unternehmensrealitäten über die "symbolische Ökonomie" der expandierenden Finanzmärkte und die Veränderungen des Zusammenspiels von Politik und Ökonomie bis hin zur wachsenden Bedeutung von MenschObjekt-Beziehungen im postfordistischen Arbeitsprozess.

Die Beiträge des Bandes nähern sich diesen Problemkomplexen aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven. Diese Vielfalt ist das Programm des Bandes: Es verbindet sich damit die epistemologisch motivierte Hoffnung einer wechselseitigen Irritation der verzweigten theoretischen Orientierungsangebote als Mittel des Fortschritts des theoretischen Wissens selbst.

    Karin Knorr Cetina: Umrisse einer Soziologie des Postsozialen
    Herbert Kalthoff: Zur Soziologie ökonomischen Wissens
    Lars Meyer: Arbeit und kommunikatives Handeln in postbürokratischen Organisationen
    Tobias Schulz-Isenbeck: Eigene Entscheidungen und das Wissen der anderen. Multiple Risikoreflexion und strukturelle Kopplungen bei Private Equity-Investitionen
    Loet Leydesdorff: Innovationssysteme, regionale Entwicklung und wissensbasierte Ökonomie aus der Perspektive des Triple-Helix-Modells
    Helmut Willke: Kollektive Intelligenz und die Konturen eines kognitiven Kapitalismus
    Uwe Vormbusch: Werner Sombart und die Kulturbedeutung des Kalkulativen
    Hanno Pahl: Kognitiver Kapitalismus revisited. Arbeit, Wissen und Wert in der Kritik der politischen Ökonomie
    Sabine Pfeiffer: Accounting, Alltäglichkeit und Arbeit. Plädoyer für eine dialektische Analyse kalkulativer Praktiken
    Michael R. Krätke: Finanzkrisen in der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie

Ökologisches Wirtschaften 3/2008, S. 53 ()

"Vor dem Hintergrund der Frage, ob der beobachtete Bedeutungszuwachs von Wissen und die daraus folgenden Konsequenzen für das Zusammenspiel von Wirtschaft und Gesellschaft einen Bruch in der Logik der Entwicklung der Moderne darstellen, schicken sich Pahl und Meyers an, die Rolle des Wissens in der heutigen Weltwirtschaft aus dem Blickwinkel der Soziologie theoretisch zu untersuchen - ohne jedoch zwangsläufig konkrete Handlungshinweise abzuleiten. Um dabei unter dem Titel "Kognitiver Kapitalismus" die Black-Box der Wissensökonomie für Interessierte zu öffnen, sammeln die Herausgeber neben eigenen weitere Fachbeiträge von neun Autor(inn)en, die nicht nur begriffliche Unschärfen in der Diskussion um Wissensgesellschaft und Wissensökonomie ansprechen, sondern auf verschiedene Theorieangebote mit entsprechend unterschiedlichen Ausgangspunkten zurückgreifen. Ziel dieses Vorgehens ist es, über einen Einblick in die Verschiedenheit der Ansätze hinaus, Impulse zur Weiterentwicklung der dargestellten Theorieangebote zu schaffen und langfristig Raum zur Entwicklung völlig neuer Deutungsmuster zu bieten.

Nach einem ausführlichen Einleitungskapitel mit Überblick zu Zielen und Kernaussagen des Buches sowie jedes enthaltenen Einzelbeitrags, gliedern Pahl und Meyer den Band in drei nicht weiter betitelte Teile. In Teil I werden handlungstheoretisch beziehungsweise interpretativ ansetzende Beiträge mit teilweise recht unterschiedlichem Fokus gebündelt. So beschreibt zum Beispiel Karin Knorr Cetina die vermehrte Substitution zwischenmenschlicher Kontakte durch Objektbeziehungen. Herbert Kalthoff analysiert den Einfluss ökonomischer Formeln und Kalkulationen auf unsere Wahrnehmung von strategischen Handlungsoptionen - und die Gestaltung dieser Möglichkeiten selbst.

Den zweiten Teil des Buches bilden drei Beiträge aus eher systemtheoretischer Perspektive. Hier untersucht beispielsweise Tobias Schulz-Isenbeck am Beispiel von Investitionen in Private Equity-Fonds den Einfluss multipler Risikoreflexionen auf eigene Handlungen und Strategien. Mit einer Triple-Helix-Theorie stellt sich Loet Leydesdorf der Herausforderung, wissensbasierte Systeme mithilfe von Indikatoren theoretisch und empirisch zu erfassen.

Den dritten Teil und Abschluss des Bandes bilden zwei Beiträge aus Sicht einer neuen Marx-Lektüre. In diesem Teil bejaht Hanno Pahl implizit die Ausgangsfrage nach der gestiegenen Bedeutung des Wissens, indem er eine neue Interpretation des Verhältnisses von Wissen, Arbeit und Wertschöpfung entwickelt. Der Sammelband "Kognitiver Kapitalismus" gibt interessierten Leserinnen und Lesern aus Soziologie und Wirtschaftswissenschaften einen interessanten Einblick, auf welchen verschiedenen Ebenen der gesellschaftliche Wandel zu einer Wissensgesellschaft aktuell beforscht wird. Wer sich zu diesem Thema vertieft einarbeiten möchte, erhält auch in den Einzelbeiträgen zahlreiche Querverweise zu weiterführenden Artikeln und Grundlagentexten. Die Zusammenfassung der Kernaussagen aller Einzelbeiträge im Einleitungskapitel ermöglicht ein gezieltes Lesen von Einzelbeiträgen, auch ohne Schlagwortverzeichnis. Insbesondere das Einleitungskapitel verdeutlicht die Gedanken der Herausgeber bei der Auswahl der Einzelbeiträge. Ein Abschlusskapitel mit einem Ausblick, inwieweit sich die verschiedenen dargestellten Theorien nun gegenseitig "irritieren" und befruchten konnten beziehungsweise könnten, wird leider nicht geboten."




the editor
Dr. Hanno Pahl
Hanno Pahl Jg. 1974. Studium der Politikwissenschaften und Soziologie in Bremen, 2003-2006 Stipendiat im DFG-Graduiertenkolleg "Weltbegriffe und globale Strukturmuster..." an der Universität Bielefeld. Promotion 2007 mit einer theorievergleichenden Arbeit zu Karl Marx und Niklas Luhmann. Lehrbeauftragter an den Universitäten Bremen und Bielefeld. Seit März 2007 Forschungsassistent an der Universität Zürich, Habilitationsprojekt zur Nachhaltigkeitsberichterstattung multinationaler Unternehmen. [weitere Titel]
dem Verlag bekannte Rezensionen
  • "gibt einen interessanten Einblick, auf welchen verschiedenen Ebenen der gesellschaftliche Wandel zu einer Wissensgesellschaft aktuell beforscht wird." ...
    Ökologisches Wirtschaften 3/2008, S. 53 mehr...
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