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Tuesday, June 25, 2019
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Machtlosigkeit als Referenzzustand
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Machtlosigkeit als Referenzzustand

19 Seiten · 3,50 EUR
(November 2008)

 
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Aus der Einleitung der Herausgeber:

Peter Weise (Kassel) beschreibt die Konzeption der „reinen Ökonomie“, in der Macht „kein Thema ist“, in der „man geradezu stolz ist, ohne den Begriff der Macht auszukommen und dennoch die grundlegenden ökonomischen Relationen ausschließlich mit ökonomischen Begriffen erklären zu können“. Dieser Ansatz der „oeconomia pura“ versucht, wirtschaftliche Zusammenhänge ausschließlich mit ökonomischen Begriffen, ohne Zuhilfenahme fachfremder Konnotationen aus Nachbarwissenschaften wie der Soziologie oder der Geschichte erklären zu können. Peter Weise beschreibt das Modell der reinen Ökonomie durch seine vier zentralen Eigenschaften: (1) die Interdependenz, (2) die Optimalität des Gleichgewichts, (3) die Distribution, d.h. die Bestimmung der funktionalen und personellen Einkommensverteilung aus den (Gleichgewichts-)Preisen und der gegebenen Anfangsausstattung, und schließlich die (4) „Utopie“, d.h. die normativen Implikationen einer solchen Idealsituation.

Der Verfasser wendet sich sodann einer Präzisierung des Machtbegriffs zu, indem er die Nutzendifferenz zwischen der besten und der zweitbesten Alternative als „Abwanderungskosten“ definiert. Das positive Vertragsinteresse des Anbieters besteht in der Differenz zwischen Vertragspreis und seiner Mindestforderung, dasjenige des Nachfragers in der Differenz zwischen seinem Maximalangebot und dem Kaufpreis; dieses konkrete Vertragsinteresse wird als Maß für die Abwanderungskosten eines Individuums verstanden, weil es die Vorteilsminderung ausdrückt, die entsteht, wenn man einen bestimmten Vertrag nicht abschließt oder nicht fortsetzt und statt dessen zur nächstbesten Alternative abwandert.

Immer dann kann ein Akteur A über einen Akteur B Macht ausüben, wenn für ihn die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses weniger dringlich ist, weil er bessere Alternativen als B hat. Diese in den unterschiedlichen Abwanderungskosten fundierte Abhängigkeit eines Vertragspartners von einem anderen versteht nun Weise mit guten Gründen als „Macht“. Weise sieht also Macht im Kontext einer zweiseitigen Relation zwischen Personen, die zwischen konkreten Alternativen wählen. So zu verfahren, präzisiert nicht nur den Begriff der Macht, sondern liefert mit den Nutzendifferenzen der Beteiligten auch ein exaktes Maß für die relative Machtstärke der beiden Personen. Damit wird klar, warum in der reinen Ökonomie, die ein Kontinuum von Alternativen (und damit die Abwesenheit von Abwanderungskosten) annimmt, Machtlosigkeit herrscht. Damit erhalten wir ein – zwar in der Realität nie gegebenes, aber für das Verständnis dieser Realität durchaus nützliches – Referenzmodell für das Verständnis von Macht – ganz im Sinne der Überlegungen, die wir in den vorangegangenen Abschnitten dieses Einleitungsaufsatzes angeführt haben. Die „wirkliche Welt“, das wissen auch die Vertreter der „reinen Ökonomie“, ist nicht durch vollkommene Sicherheit, vollständige Information, Abwesenheit von Transaktionskosten und damit ein Kontinuum von Alternativen gekennzeichnet, sondern gerade durch Unsicherheit und vielfältige Verfügungsbeschränkungen, die – zumindest temporär – positive Gewinne entstehen lassen, die allerdings durch das Bestreben der Mitkonkurrenten nachzuziehen, immer wieder in Frage gestellt werden. Gewinne kann man prinzipiell als Resultat einer Machtrelation verstehen, entweder zwischen verschiedenen Wettbewerbern oder im Verhältnis von Anbietern zu Nachfragern. In dieser Schumpeterianischen Welt existiert also Macht, aber sie wird durch die Dynamik der Konkurrenz immer wieder begrenzt und erodiert; das schafft den Anstoß dazu, erneut eine Machtstellung und damit Pioniergewinne zu erreichen, die aber in gleicher Weise wie zuvor stets der Dynamik der Konkurrenz ausgesetzt sind.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Macht oder ökonomisches Gesetz?
Johannes Berger, Hans G. Nutzinger (Hg.):
Macht oder ökonomisches Gesetz?
the author
Prof. Dr. Peter Weise
Peter Weise

1941, 1976-1982 Professor für Wirtschaftstheorie an der Universität Paderborn, seit 1982 Professor für Wirtschaftswissenschaftem mit sozialwissenschaftlicher Ausrichtung an der Universität Kassel. Hauptarbeitsgebiete: Institutionenökonomik, Evolutorische Ökonomik, Wirtschaftsethik, Konjunkturtheorie

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