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Nachhaltig Wert schaffen durch soziales Unternehmertum
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Nachhaltig Wert schaffen durch soziales Unternehmertum

Corporate Citizenship, Governanceethik und die Theorie der Firma im Kontext moderner Gesellschaften

27 Seiten · 4,05 EUR
(23. März 2013)

 
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Aus der Einleitung:

Der theoretische Nukleus der Governanceethik reflektiert von Beginn der Entwicklung an die Tatsache, dass moralisches und legitimes Handeln sowie gesellschaftliches Engagement von Unternehmen keine Option darstellen – sie sind eine Notwendigkeit, um den (wachsenden) Ansprüchen unternehmensrelevanter Stakeholder gerecht zu werden und Legitimität zugewiesen zu bekommen sowie um in einer globalisierten Ökonomie erfolgreich operieren zu können. Die Governanceethik geht dabei von der einfach klingenden doch theoretisch aufwendigen Annahme aus, dass Moral ökonomische Konsequenzen und Ökonomie moralische Konsequenzen hat. Dies bedeuten zum einen, dass die Durchführung und die Stabilisierung erfolgreicher ökonomischer Transaktionen und Kooperationsbeziehungen ohne Moral nicht zu haben sind und diese konstitutiv voraussetzen. Zum anderen bedeutet es, dass der theoretisch geleitete Versuch der Entkopplung ökonomischen Handelns von den moralischen Konsequenzen zum Scheitern verurteilt ist, da Unternehmen nach Wieland’s Definition gesellschaftliche Kooperationsprojekte darstellen und eine normative Rückbindung an die gesellschaftliche Legitimität unternehmerischer Ziele und unternehmerischen Handelns exisiert.

Praktisch gewendet hat dies Konsequenzen dergestalt, dass zum einen Unternehmen für die Vermeidung von negativen Effekten für die Gesellschaft verantwortlich gehalten werden, die durch unternehmerisches Handeln entstehen können, selbst wenn dies im Rahmen bestehender Rechtsordnungen geschieht. Zum anderen betrifft dies aber auch die Frage, ob und in welcher Weise Unternehmen bereit sind, in einer Kooperation zusammen mit anderen Stakeholdern an innovativen Lösungen für soziale und moralische Problemstellungen wie beispielsweise die Gesundheitsversorgung in Entwicklungs- und Schwellenländern zu arbeiten. Dies kann über freiwillige, philanthropische Aktivitäten erfolgen, welche jedoch in der Tendenz selten wirklich nachhaltig gestaltet werden können. Oder es gelingt über die Integration sozialer Innovationen und sozial-unternehmerischer Aktivitäten in die bestehenden Geschäftsmodelle global tätiger Unternehmen, die über große Einflussmöglichkeiten und großes Gestaltungspotenzial in den globalen Märkten verfügen.

Die Governanceethik hat sich mit dem ersten der beiden Themenkreise in den vergangenen Jahren in großer Detailtiefe, theoretischer Stringenz und praktischer Relevanz beschäftigt. Dabei lag das Interesse der Forschung zum einen auf einer Analyse der Bedingungen, unter denen moralisches Handeln in ökonomischen Kontexten gelingen kann, und zum anderen in der Konzeptualisierung von Moral als produktive Ressource von individuellen und kollektiven Akteuren. Gerade mit Hinblick auf das Letztere erscheint es uns jedoch gerechtfertigt zu konstatieren, dass eine bislang nicht ausreichend fokussierte Entwicklungsperspektive der Governanceethik im Bereich der sozialen Innovation oder des sozialen Unternehmertums zu finden ist und dabei im Speziellen, wie diese in global operierenden Unternehmen ihren Platz finden können. Dabei geht es darum, Geschäftsmodelle zu gestalten, die in der Lage sind, auf eine spezifische soziale Problemkonstellation hin Kooperation zwischen Unternehmen und Gesellschaft zu fördern, dies jedoch im System Wirtschaft immer unter den Bedingungen der Leitcodierung Aufwand/Ertrag, da nur so eine nachhaltige Lösung unter diesen Systembedingungen generiert werden kann. Im Anschluss an die These der Governanceethik, dass Unternehmen polylingual verfasste Organisationen sind, geht es hierbei darum, soziale oder gesellschaftlich relevante Problemlagen und Herausforderungen als ökonomische Opportunität zu realisieren und in ein sozial-ökonomisches Kooperationsmodell zu überführen, d.h. ein Modell, dass sowohl einen ökonomischen Nutzen für das Unternehmen generiert als auch einen substantiellen und nachhaltigen Beitrag zur Lösung der anvisierten Problemsituation. Dabei darf die soziale Dimension nicht vollständig in Ökonomie aufgelöst werden, da hierdurch der von der Gesellschaft erwartete soziale Nutzenzuwachs marginalisiert oder sogar gegen Null tendieren würde.

Wir argumentieren in diesem Artikel dafür, dass dies ein lohnender Ansatzpunkt zukünftiger Forschungsbemühungen sein kann. Dabei sollte einer der Schwerpunkte darauf liegen zu beschreiben, wie Wahrnehmungsprozesse in etablierten Unternehmenskontexten gestaltet werden können, so dass gesellschaftliche Herausforderungen in Unternehmen in einem ersten Schritt überhaupt als Anliegen der Organisation wahrgenommen werden, und, in einem zweiten Schritt, mit entsprechenden sozialen Geschäftsmodellen bearbeitet werden.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Verantwortung in der globalen Ökonomie gestalten – Governanceethik und Wertemanagement
Stephan Grüninger, Michael Fürst, Sebastian Pforr, Maud Schmiedeknecht (Hg.):
Verantwortung in der globalen Ökonomie gestalten – Governanceethik und Wertemanagement
the author
Dr. Michael Fürst
Michael Fürst

Jahrgang 1971; mehr als 10 Jahre Berufserfahrung in den Bereichen Integrity & Compliance Management und Corporate Citizenship. Seit 2005 Manager bei der Novartis AG. Im Rahmen seiner Tätigkeit ist er unter anderem mitverantwortlich für die Entwicklung, Einführung und Implementierung eines "behavioural based" Integrity & Compliance Programms sowie der strategischen Ausrichtung und operativen Umsetzung verschiedener Corporate Citizenship-Projekte, zunehmend mit Fokus auf "social business" und "social innovation". 2006 Max-Weber-Preis für Wirtschaftsethik des Instituts der Deutschen Wirtschaft.

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