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Dienstag, 25. September 2018
 Startseite » Ethik  » Wirtschafts- & Governanceethik 

Nahrungsmittelspekulation und Ernährungssicherheit

Eine Diskussion der ethisch relevanten Fragen

"Ethik und Ökonomie"  · Band 19

245 Seiten ·  34,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-7316-1234-6 (November 2017 )

 
 

Darf aus moralischer Sicht mit Nahrungsmitteln spekuliert werden? Was unterscheidet einen Spekulanten von einem Glücksspieler? Schaden die Finanzmärkte der Gesamtwirtschaft mehr, als dass sie ihr nützen? Und welche Legitimitätsforderungen lassen sich ganz generell an Finanzmärkte stellen?

Die Finanzmärkte und ihre Akteure stehen seit der 2007 nahezu simultan auftretenden Finanzkrise und einer Nahrungsmittelpreiskrise öffentlich in der Kritik. Die von Ökonomen gepriesene Informations- und Koordinationsfunktion der global vernetzten Finanzmärkte wird zunehmend in Zweifel gezogen. Manche Kritiker gehen sogar so weit, die Börse mit einem überdimensionalen Casino gleichzusetzen, in welchem sich risikofreudige Spekulanten auf Kosten der Gesellschaft vergnügen. Der wohl gewichtigste Vorwurf lautet jedoch, dass Finanzakteure durch massive Investitionen in Rohstoffindexfonds die Nahrungsmittelpreise künstlich in die Höhe und dadurch Millionen von Menschen in den Hunger getrieben haben. Dies hat eine hitzige Diskussion ausgelöst, inwieweit es grundsätzlich zulässig sei, Nahrungsmittel als "financial assets" wie etwa Aktien oder Anleihen zu behandeln. Das vorliegende Buch nimmt die wichtigsten Vorwürfe im Zusammenhang mit der Nahrungsmittelspekulation auf und prüft diese kritisch, indem es sie einer rigorosen Realitätsprüfung unterzieht und verdeckte normative Hintergrundannahmen sichtbar macht. Es führt den Leser in die zentralen Konzepte und Begriffe der Finanzwelt ein, diskutiert die wichtigsten empirischen Erkenntnisse zur Funktionsweise von Finanzmärkten im Allgemeinen und Warenterminbörsen im Besonderen und legt dar, weshalb diese analog zu politischen Institutionen klar definierten normativen Anforderungen zu genügen haben, wenn ihre Legitimität nicht in Frage gestellt werden soll.

P.S., 31.8.2018 ()

"Eine weitere passende Publikation erschien kurz nach der letzten Agrarabstimmung, bei der uns unter dem Schlagwort der Ernährungssicherheit ein völlig unverbindlicher Text im Sinne der etablierten Bauernverbände vorgelegt wurde. Anna Zuber, die als Philosophin ihre Doktorarbeit an der Uni Zürich zum Finanzmarktbereich vorlegte und jetzt in Bern als Lehrbeauftragte für Wirtschaftsethik wirkt, schrieb über «Nahrungsmittelspekulation und Ernährungssicherheit», ohne sich auf das damalige Polit-Geplänkel zu beziehen.

Ihr ging es gemäss Untertitel um «eine Diskussion der ethisch relevanten Fragen», die sich stellen, wenn ein für das Leben - im Krisenfall auch für das nackte Überleben - aller Menschen zentraler Handelsbereich weltweit durch die schwer durchschaubaren Dynamiken der Finanzwirtschaft bestimmt wird. Denen ist denn auch der Hauptteil ihrer Untersuchung gewidmet. Sie argumentiert sorgfältig abwägend, Schritt für Schritt. «Guter Investor, böser Spekulant?» Zu einfach. Dem polemischen Begriff «Casino-Kapitalismus» gewinnt sie wenig Sinn ab. Aber noch vor den entscheidenden Kapiteln erinnert die Autorin an eine alte Leitregel, die dazu führen könnte, «Spekulationen mit Nahrungsmitteln aus moralischer Sicht anders zu beurteilen als beispielsweise Spekulation mit Aktien oder Edelmetallen».

Den meisten von uns ist sie aus Kindertagen bekannt: «Mit Essen spielt man nicht.» Damit komme eine ganz besondere Wertschätzung dieser Basisgüter in den Blick. «Wie kaum ein anderer Markt beeinflussen die Agrarmärkte die Lebensbedingungen von Millionen von Menschen.» Und nach wie vor ist die Zahl derer enorm hoch, die weltweit von Hunger betroffen sind. Ob die Handelspraktiken in dem Bereich heute eine Art von Spiel seien und «mit guten Gründen als leichtfertig oder verschwenderisch bezeichnet werden» können? Das bleibt eine Frage von «enormer Komplexität», doch es gibt Gerechtigkeitsgebote. «Effiziente Märkte können aus ethischer Sicht absolut unakzeptable Verteilungsresultate erzielen - ja sie tun dies tagtäglich.» Die von der Finanzkrise verdeckte Nahrungsmittelpreiskrise von 2007/2008 zeigte das drastisch. Noch wesentlich grössere Preisschwankungen dürften künftig die Ernährungssicherheit der ärmsten Bevölkerungsschichten zusätzlich gefährden, denn «das Problem der absurden Verteilungskonsequenzen» ist Teil des «Verteilungsmechanismus Markt».




Die Autorin
Dr. phil Anna Zuber
Anna Zuber

Studium der Philosophie, Ökonomie und des Staatsrechts an den Universitäten Fribourg, Bern und Bielefeld. Doktorat in politischer Philosophie an der Universität Zürich im Bereich Finanzmarktethik. Seit 2012 Lehrbeauftragte für Wirtschaftsethik an der Fachhochschule Bern. Forschungsschwerpunkte: Wirtschafts- und Finanzmarktethik, Risikoethik, Gerechtigkeitstheorien, Argumentationstheorie. Kontakt: anna.zuber@bfh.ch

dem Verlag bekannte Rezensionen
  • "sorgfältig abwägend, Schritt für Schritt" ...
    P.S., 31.8.2018 mehr...
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