sprache deutsch
sprache english
» Zum Merkzettel
0 Artikel
» Zum Warenkorb
0 Artikel - 0,00 EUR


Monday, September 23, 2019
 Startseite » Länder und Regionen  » Asien 
Perspektiven für die soziale Sicherung in Indonesien
Downloadgröße:
ca. 449 kb

Perspektiven für die soziale Sicherung in Indonesien

23 Seiten · 3,09 EUR
(Juni 2006)

 
Ich bin mit den AGB, insbesondere Punkt 10 (ausschließlich private Nutzung, keine Weitergabe an Dritte), einverstanden und erkenne an, dass meine Bestellung nicht widerrufen werden kann.
 
 

Aus der Einleitung:

Die Bombenanschläge am 12. Oktober 2002 vor dem Sari Club im Ferienort Kuta auf Bali, bei denen 200 Menschen getötet und mehrere Hunderte zum Teil schwer verletzt wurden, sowie die Bombenanschläge auf das Meridian Hotel in Jakarta kurze Zeit später, brachten Indonesien als das Land mit der zahlenmäßig weltweit größten islamischen Bevölkerung in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Seit dem Sturz Suhartos 1998 lässt sich hier grundsätzlich eine Radikalisierung islamischer Gruppen beobachten, die in Zusammenhang mit einem Aufschwung islamistischer Bewegungen in Indonesien steht und zur zunehmenden Polarisierung zwischen den im Land lebenden Muslimen und Christen beiträgt .

Die Tendenzen zur Islamisierung der indonesischen Gesellschaft sind unterschiedlich stark ausgeprägt, haben unterschiedlich starke historische Wurzeln und sind demzufolge vielschichtig zu begründen, was in der Bandbreite der vertretenen Positionen und den heterogenen Diskursen über den indonesischen Islam reflektiert ist. Nach dem Sturz Suhartos setzte nicht nur ein umfassender Prozess der Demokratisierung ein, sondern führte auch zu einem Machtvakuum, in dem nationale und lokale Eliten begannen, den Islam politisch zu instrumentalisieren und für ihre eigenen Interessen zu mobilisieren. Dennoch blieb die Mehrheit der indonesischen Muslime moderat, wobei immer wieder die Liberalität und Toleranz des indonesischen Islams hervorgehoben und auf die bisher geringe Bedeutung des politischen Islams verwiesen wird.

In den Ergebnissen der Parlamentswahlen vom 5. April 2004 spiegelt sich die langsam fortschreitende Politisierung des Islams in Indonesien dementsprechend auch nur in begrenztem Maße wider, obwohl die islamische Partei PKS (Partai Keadilan Sejahtera, Wohlfahrts- und Gerechtigkeitspartei) in mehreren Städten, darunter auch Jakarta zur stärksten Kraft wurde. Außerparlamentarisch treten jedoch einige gewaltbereite Gruppierungen, die für die Einrichtung einer islamischen Ordnung kämpfen, immer mehr in den Vordergrund und gefährden die innenpolitische Stabilität. So geraten die Vertreter eines moderaten Islams in Indonesien zunehmend in die Defensive und müssen sich den zunehmend radikalen und orthodoxen Strömungen des Islamismus in ihrem Land erwehren. Unbestimmt ist aber, inwieweit diese Entwicklungen das indonesische Leitmotiv der „Einheit in der Vielfalt“ (Bhinneka tunggal ika), das u.a. den Glauben an einen Gott welcher Religion auch immer beinhaltet, untergraben und die Integrität und Stabilität des Landes tatsächlich gefährden können .

Auch wenn die Ursachen für die Radikalisierung des Islams sehr vielschichtig sind und im historischen und politischen Kontext gesehen werden müssen, so gibt es Stimmen, die die zu beobachtende Radikalisierung des Islams in der Post-Suharto-Ära auf einen schwachen indonesischen Staat und auf die krisenhaften Erscheinungen im Zuge der tiefgreifenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Umbrüche in Folge der Asienkrise zurückführen. Es kann zwar kein kausaler Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Katastrophe im Zuge der Asienkrise und dem Zulauf zu militanten islamistischen Gruppen bewiesen werden. Aber die für die Bevölkerungsmehrheit äußerst unbefriedigende Wirtschafts- und Sozialentwicklung gilt auch hier als ein Nährboden für fundamentalistische Strömungen.

Die Unzufriedenheit resultiert aus der erwiesenen Unfähigkeit des heutigen indonesischen Staates, die Lebensbedingungen für eine breite Bevölkerungsmehrheit grundlegend zu verbessern und Armut und Verteilungsungerechtigkeiten abzubauen. In diesem Zusammenhang lässt sich beobachten, dass auch gerade im Hinblick auf die geringe Bedeutung des politischen Islamismus der Ausbau islamisch geprägter sozialer Einrichtungen im Bildungs- und Gesundheitsbereich immer wieder vorangetrieben und islamische Organisationen wichtige Träger sozialer Sicherung geworden sind. Damit ist es möglich, im Rahmen einer Gegenstrategie von innen an gesellschaftlichem Einfluss zu gewinnen und der sogenannten kulturellen Islamisierung der indonesischen Gesellschaft Vorschub zu leisten, aber auch um soziale Defizite auszugleichen .

Der indonesische Staat steht deshalb mehrfach aus ökonomischen und politischen Gründen unter zunehmendem Druck, die Lebensbedingungen seiner Bevölkerung nachhaltig zu verbessern. Spätestens mit der Asienkrise wurde deutlich, dass Wirtschaftswachstum allein keine ausreichende Basis für eine nachhaltig positive Wirtschafts- und Sozialentwicklung sein kann, sondern durch einen ausreichenden Sozialschutz begleitet werden muss. Seither sind die wechselnden indonesischen Regierungen bemüht, die Bekämpfung von Armut und den Aufbau eines umfassenden und funktionierenden Systems der sozialen Sicherung voranzutreiben, um einerseits sozial und politisch stabile Rahmenbedingungen für mehr Wirtschaftswachstum und die Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen zu schaffen und andererseits die soziale Integration dieses Vielvölkerstaates zu fördern sowie die ökonomischen und sozialen Wurzeln von islam-fundamentalistischen Strömungen zu entreißen.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Islamische und westliche Welt
Michael von Hauff, Ute Vogt (Hg.):
Islamische und westliche Welt
the author
Prof. Dr. Beate Bergé

seit 1999 Professorin an der FH Konstanz für den Schwerpunkt Volkswirtschaftslehre im Studiengang Wirtschaftssprachen, Asien und Management, mehrjährige Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Atlanta-Consult, Hamburg und der Gesellschaft für Organisation, Planung und Ausbildung, GOPA in Bad Homburg. Von 1992 bis 1998 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Hochschulassistentin von Prof. Dr. Michael von Hauff am Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre/Wirtschaftspolitik der Universität Kaiserslautern.

[weitere Titel]