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Unternehmen Kirche?
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Unternehmen Kirche?

Neoliberale Diskurse in den deutschen Großkirchen

44 Seiten · 6,95 EUR
(17. März 2009)

 
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Aus der Einleitung der Herausgeber:

Jens Schlamelcher beschreibt, wie weit die neoliberale Metapher von ‚dem Markt‘ das Selbstverständnis der deutschen Großkirchen in den letzten beiden Jahrzehnten verändert hat. Nach ihm hat die neoliberale ‚Gouvernamentalität‘ sogar die Art beeinflusst, in der die Kirchen selbst über Religion und über sich als Institution denken. Dies sei durch einen zweimaligen Beschreibungswandel zustande gekommen: die Kirchen hätte sich zuerst als ‚Institution‘ (vor allem beeinflusst durch Helmut Schelsky), dann als ‚Organisation‘ (vor allem veranlasst durch Niklas Luhmann), und zunehmend als Dienstleistungsorganisation‘ verstanden, begleitet von einem Ausbau der Stellen in den Kirchenverwaltungen. Ab 1993 sei der Zuwachs der Einnahmen versiegt, als Abhilfe erschallt der Ruf nach höherer ‚Wirtschaftlichkeit‘ und ‚Attraktivität‘, vermittelt von (betriebswirtschaftlichen) Unternehmensberatungen, auf die nunmehr alle Bistümer Bezug nehmen. Parallel dazu habe sich das Selbstverständnis der Kirchen verändert: sie verstehen sich nun als Unternehmen, die sich auf dem Markt der Religionen zu behaupten haben. Mission wird demgemäß als Marketing umgedeutet, die zu Missionierenden seien Kunden und Pfarrer und Priester hätten – wie die Kundenbetreuer einer Firma – bewährte Methoden von Marketing und Fundraising einzusetzen. In diesem Diskurs wird es nach Schlamelcher kaum noch möglich, zwischen ökonomischer und theologischer Semantik zu unterscheiden. Das neoliberale Sprechen vom ‚Markt‘ erobert die Kirchen, die Aspekte von ‚sakral‘ und ‚heilig‘ verblassen. Schlamelcher beschreibt diesen Vorgang in einem geschichtlichen Überblick. Ab den neunziger Jahren hätte sich im kirchlichen Bereich die neue Gattung von ‚Reformpapieren‘ herausgebildet, die die neoliberale Umgestaltung vorangetrieben haben. Das Ziel sei eine ‚Umstrukturierung‘ der Unternehmung Kirche. Theologische Reflexionen dienen nur der Rechtfertigung rein ökonomischer Ansprüche. In diesem Diskurs, der kirchenintern keinesfalls widerspruchslos ablaufe, verlören die Kirchen die Fähigkeit (die ihnen Gläubige immer noch zuschreiben), gesellschaftliche Prozesse kritisch zu hinterfragen und damit ihren eigentlichen ‚Nutzen‘. Die Kirchen, so meint Schlamelcher, könnten ihrer eigentlichen Aufgabe nämlich nur gerecht werden, wenn dieser explizit verneint würde: Religion habe nur dann einen Nutzen, wenn sie keinen (intendierten) Nutzen hat, d.h. wenn sie sich außerhalb einer Beschreibung des Menschen als neoliberalen ‚Homo Oeconomicus‘ stelle.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Der neoliberale Markt-Diskurs
Walter Otto Ötsch, Claus Thomasberger (Hg.):
Der neoliberale Markt-Diskurs
the author
Jens Schlamelcher
Jens Schlamelcher

Centrum für religionswissenschaftliche Studien, Ruhr-Universität Bochum, Universitätsstraße 150, 44780 Bochum