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Friday, August 23, 2019
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Wenn die Fische immer noch ihr Wasser suchen
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Wenn die Fische immer noch ihr Wasser suchen

Die Auswirkungen des Elften Septembers auf den herkömmlichen Terrorismus

33 Seiten · 6,38 EUR
(Mai 2011)

 
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Zusammenfassung:

Das Ziel dieses Beitrages lässt sich sehr simpel zusammenfassen: politisch motivierte Gewalt verstehen. Das theoretische Hilfsmittel hierfür ist die verstehende Soziologie. Nach Max Weber ist die Soziologie eine Wissenschaft, die soziales Handeln ?deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären? möchte. Soziologisches Verstehen als Methode bedeutet für Weber ausdrücklich nicht intuitives Nachempfinden, sondern stets die Verbindung von Verstehen und kausaler Erklärung. Zentraler Anknüpfungspunkt ist der subjektiv gemeinte Sinn, d.h. hier die Eigenlogik der Gewaltakteure, die ein Ideologieangebot kommunizieren. Der vorliegende Beitrag analysiert das Ideologieangebot bewaffneter Gruppen vor dem Hintergrund eines fundamental veränderten weltpolitischen Kontextes, der durch den al- Qaida-Anschlag vom 11. September 2001 (Elfter September) geschaffen wurde.

Gewaltsoziologische Analysen geraten sehr schnell unter den Generalverdacht, durch die Praxis des deutenden Verstehens die Gewaltanschläge gleichzeitig zu rechtfertigen ? denn man hat sie "verstanden" ? oder gar verdeckte Sympathien für sie auszudrücken: Gewaltrechtfertiger oder Terrorismusversteher sind die traditionellen Vorwürfe. Genau das Gegenteil ist jedoch der Fall: Fundierte gewaltsoziologische Erkenntnisse sind notwendige Bedingung, um effektive Interventionsstrategien gegen Gewalt zu entwickeln.

Dieser Beitrag stellt die Frage nach den Auswirkungen des Elften Septembers auf die Strategien und Taktiken von nationalen, bewaffneten Gruppen: Welche Auswirkungen hat der neue internationale Terrorismus auf den herkömmlichen, nationalen Terrorismus, den Gewaltstrategien der ETA, der IRA und anderer bewaffneter Gruppen? Die zentrale These dieses Beitrags lautet, dass der Elfte September eine negative Dynamik auf die Legitimationsstrategien ethnisch-nationalistisch orientierter Gruppen ausgelöst hat. Gruppen wie die ETA und die IRA stehen seit dem Elften September unter noch größerem Rechtfertigungsdruck, sowohl ihre Aktionen als auch ihre bloße Existenzberechtigung betreffend. Ihre Rechtfertigungsstrategien zielen darauf ab, Legitimität in den Augen der lokalen Gemeinschaften aufrechtzuerhalten.Diese Anstrengungen sind durch den veränderten internationalen Kontext zunehmend schwieriger geworden.

Ein gutes Beispiel, an dem sich diese neue Dynamik illustrieren lässt, liefern die Anschläge auf Personenzüge am 11. März 2004 in Madrid, die zu ?Spaniens Elften September? wurden. Dieses Beispiel soll herangezogen werden, um die Diskreditierungsthesen plausibel zu machen.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
the author
Marcel M. Baumann
Marcel M. Baumann

geb. 1975, Studium der Politikwissenschaft in Freiburg, Basel und Londonderry; Abschluss Master of Arts in Peace and Conflict Studies 2001. Seit 2006 tätig an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und freier Mitarbeiter am Arnold-Bergstraesser-Institut in Freiburg sowie Lehrbeauftragter. Dissertation zur Fragilität und Stabilität von Friedensprozessen. Träger des Christiane-Rajewsky-Preises für Friedens- und Konfliktforschung 2007. Forschungsinteressen.