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Wilhelm Röpke

Wissenschaftler und Homo politicus zwischen Marburg, Exil und Nachkriegszeit

94 Seiten ·  16,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-7316-1262-9 (September 2017 )

 
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Am 12.02.2016 jährte sich zum 50. Mal der Todestag von Wilhelm Röpke (1899-1966), der als Vertreter des Ordoliberalismus einer der einflussreichsten und streitbarsten Volkwirte und Sozialphilosophen der Bundesrepublik war. Röpke hatte u.a. in Marburg studiert und wurde mit nur 24 Jahren als jüngster deutscher Professor an die Universität Jena berufen. Seit 1929 lehrte er als Ordinarius wieder an der Philipps-Universität. Als Gegner des Nationalsozialismus wurde er 1933 aus Marburg verjagt und ging zunächst in die Türkei, später dann in die Schweiz ins Exil, von wo aus er die politische und wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands bis zu seinem Tod im Jahr 1966 kritisch begleitete und kommentierte. Der vorliegende Band geht zurück auf ein von den Marburger Historikern Eckart Conze und Christian Kleinschmidt initiiertes studentisches Ausstellungsprojekt des Fachbereichs "Geschichte und Kulturwissenschaften" der Philipps-Universität sowie ein in Kooperation mit Elisabeth Schulte vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften und dem "Marburg Centre for Institutional Economics" (MACIE) veranstaltetes Kolloquium über Wilhelm Röpke. Die von Studierenden erarbeitete Ausstellung widmete sich vor allem dem historischen, politischen und wissenschaftlichen Werdegang Röpkes. Die in dem Band veröffentlichten Ausstellungstexte bieten einen Überblick über dessen Lebensstationen unter besonderer Berücksichtigung der Marburger Jahre. Eingerahmt wird dieser Teil durch einen Einführungstext von Helge Peukert (Universität Erfurt), einer der besten Kenner Röpkes, sowie einen Beitrag von Elisabeth Schulte, Evelyn Korn und Tobias Müller vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Philipps-Universität. Darin setzen sie sich mit den ordnungspolitischen und institutionenökonomischen Vorstellungen Röpkes auseinander und skizzieren den von ihm vorgeschlagenen "dritten Weg" zwischen einem Laissez-faire-Kapitalismus und der sozialistischen Planwirtschaft der Nachkriegszeit, der als richtungsweisend für die Entwicklung der sozialen Marktwirtschaft gesehen werden kann.

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"Conze und Kleinschmidt zeigen in ihrer Einleitung, dass Röpke im besten Sinne für eine politische Ökonomie steht, die dem Menschen dient. Nach 1945 unternahm die Marburger Universitätsleitung nichts um den Emigranten Röpke zurückzuholen; vielleicht aus Scham, wie Conze und Kleinschmidt vermuten, weil ein zurückgeholter Röpke für die anderen im alltäglichen Universitätsleben die ständige personifizierte Erinnerung an die eigenen Versäumnisse und Fehler während der zwölf braunen Jahre symbolisiert hätte.

Elisabeth Schulte, Evelyn Korn und Tobias Müller thematisieren Röpke mit Blick auf die moderne Institutionenökonomik. Röpkes institutioneller, ökonomischer Rahmen ist eingebettet in für ihn nicht verhandelbare tradierte Werte der abendländisch-christlichen Kultur. Erodieren diese Werte, erodiert auch das Gemeinwesen. Röpke diskutierte die Institutionen und das menschliche Verhalten völlig normativ, für ihn war die Ökonomie auch immer eine Moralwissenschaft.

Die moderne, neoklassische Institutionenökonomik bewahre sich - so die drei Autoren - zumindest noch eine gewisse Art von Wertneutralität. Die drei Autoren sind Neoklassiker, die - ohne es zu merken sicher unbeabsichtigt und gänzlich ungewollt - relativ klar zeigen, weshalb für Röpke ein Überdehnen des Instrumentariums der neoklassischen Analyse ein rationalistischer Irrweg war.

Helge Peukert gibt in seinem Beitrag, dieser war auch die Eröffnungsrede der Ausstellung gewesen, einen sachgerechten und kenntnisreichen Überblick zum wissenschaftlichen und publizistischen Werk Röpkes. Dabei merkt Peukert an, dass viele Publikationen Röpkes die Themen behandeln, für die heutzutage Verhaltensökonomen mit dem Nobelpreis geehrt werden.

Peukert erläutert kurz und knapp Röpkes Sicht bezüglich Konjunktur, Freihandel, internationaler Ordnung, Geld und Währung. Aufgrund dieser jahrzehntealten Analysen Röpkes, die bei Röpke sehr oft im Aufzeigen von Gefahren und ernsten Warnungen vor den Plänen der "Ökonomokraten" mündeten, kommt Peukert zu dem gut fundierten Resultat, dass Röpke heute eine - aus meiner Sicht völlig korrekte - "Schwachstellenanalyse" vorlegen würde, welche auch heutzutage die tonangebenden Mainstreamökonomen ("Ökonomokraten") kaum teilen könnten.

Wie die Ausstellung zeigt, wurde Röpke schon in der Weimarer Zeit von seinen Gegnern verächtlich als "utopistisch" und "reaktionär" bezeichnet. Dies setzte sich - wie die Ausstellung leider nicht explizit dokumentiert - späterhin fort, auch in den Nachkriegsjahren wurde derart versucht Röpke zu diskreditieren. In der Dokumentation wird auch nicht gezeigt, dass Jahre nach Röpkes Tod das ehemalige Gebäude der Universitätsbibliothek im Rahmen einer akademischen Feier in "Wilhelm-Röpke-Haus" umbenannt wurde. Eva Röpke, Wilhelm Röpkes Witwe, war damals bei jener Feier zu Gast. Rot-sozialistische Studentengruppen störten die Feier und hetzten gegen Wilhelm Röpke. Wie mag sich Eva Röpke, die Witwe Wilhelm Röpkes, die einer der Gäste der Feier war, wohl gefühlt haben? Ob sie Vergleiche zur späten Weimarer Zeit und der Anfangszeit der braunen Sozialisten zog? Und zwangsläufig zu dem Schluss kam, dass sich in Deutschland kaum etwas geändert hat?

Auch heutzutage, über fünf Jahrzehnte nach Röpke Tod, hat sich nichts geändert. Rot-Grün-Sozialisten und natürlich auch heutige sog. "Liberale", die als Schein-Liberale und/oder Salon-Liberale einen bedingungslosen Relativismus mit Liberalismus verwechseln, versuchen Röpke durch die Attribute "utopistisch" und "reaktionär" verächtlich zu machen.




the editors
Prof. Dr. Eckart Conze
Eckart Conze Professor für Neuere Geschichte, Universität Marburg. Arbeitsschwerpunkte: Deutsche, europäische und internationale Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
Prof. Dr. Christian Kleinschmidt
Christian  Kleinschmidt Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Universität Marburg
Prof. Dr. Elisabeth Schulte
Elisabeth Schulte Professur für Institutionenökonomie, Universität Marburg
dem Verlag bekannte Rezensionen
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