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Friday, March 22, 2019
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Zur frühen Rezeption der General Theory durch deutschsprachige Wirtschaftswissenschaftler
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Zur frühen Rezeption der General Theory durch deutschsprachige Wirtschaftswissenschaftler

34 Seiten · 3,80 EUR
(Dezember 2008)

 
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Aus der Einleitung:

Es war kein Zufall, dass die deutsche Ausgabe der General Theory noch im Herbst des Erscheinungsjahres des englischen Originals in erster fremdsprachlicher Übersetzung erschien. Keynes war schon in der Weimarer Zeit ständiger Referenzpunkt wirtschaftstheoretischer und –politischer Debatten im deutschen Sprachraum gewesen, und der politische Einschnitt des Jahres 1933 änderte daran zunächst wenig. Keynes’ im Dezember 1919 im englischen Original erschienene Streitschrift gegen die wirtschaftlichen Folgen des Versailler Vertrages The Economic Consequences of the Peace (1919) hatte ihn schlagartig weltweit bekannt gemacht und im geschlagenen Deutschland weit über die Kreise heutiger Keynesianer hinaus besondere Popularität verschafft. Keynes war seit 1914 Berater des britischen Schatzamtes (Treasury) und zuständig für Fragen der Finanzierung der Kriegslasten gewesen. Als führender Vertreter des Schatzamtes nahm er 1919 an der Friedenskonferenz in Versailles teil und reiste drei Wochen vor Vertragsabschluss aus Protest gegen ökonomisch in ihrer Höhe von der deutschen Wirtschaft unerfüllbare Reparationsverpflichtungen ebenso wie gegen die politisch kontraproduktive, da Revanchegelüste auf deutscher Seite fördernde Art ihrer Durchführung ab. Keynes sah das Absorptionsproblem in den Hauptempfängerländern der deutschen Reparationszahlungen voraus, da der dortige Protektionismus verhindere, dass Deutschland über die Erzielung von Exportüberschüssen (anstelle von ausländischer Kreditfinanzierung) die Reparationszahlungen aus eigener Leistungsfähigkeit heraus bestreiten könne. Keynes’ Pamphlet über die wirtschaftlichen Folgen des Friedensvertrags ist im wesentlichen eine Abrechnung mit der Politik der drei entscheidenden Verhandlungsführer, des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson, des französischen Staatspräsidenten Georges Clemenceau sowie insbesondere auch des liberalen britischen Premierministers Lloyd George, bei dem Keynes, dessen politische Sympathien damals wie wohl auch heute der Liberalen Partei galten, mit seinen begründeten Warnungen kein Gehör fand. Innerhalb eines halben Jahres erschien nicht nur die von Moritz Julius Bonn zusammen mit Carl Brinkmann vorgenommene deutsche Übersetzung, sondern Übersetzungen in zehn weiteren Sprachen, wobei Keynes die Kosten für Übersetzung und Drucklegung selbst übernahm und auf Tantiemen bei einem Werk verzichtete, das sich entgegen den Erwartungen des Verlegers schnell zu einem internationalen Bestseller entwickelte. Von Mitte der 1920er Jahre wies die lohn- und beschäftigungspolitische Debatte in der Weimarer Republik viele Parallelen mit derjenigen in Großbritannien auf, an der Keynes lebhaft teilnahm und auch deshalb steter Bezugspunkt in den deutschen Debatten war. Schließlich verfasste er Ende 1932 einen kurzen Beitrag „A Monetary Theory of Production“ für die Spiethoff- Festschrift, der, auf halbem Wege zwischen der Treatise (1930) und der General Theory (1936), den Kern des Forschungsprogramms der Allgemeinen Theorie beinhaltet: Für eine Geldwirtschaft ist das Zusammenspiel von realen Größen (wie Output und Beschäftigung) und monetären Größen (wie Zins und Geldmenge) von entscheidender Bedeutung. Bevor die Spiethoff-Festschrift 1933 erschien, hatte mit der nationalsozialistischen Machtergreifung ein einschneidender politischer Wechsel in Deutschland stattgefunden, der auch für die Wirtschaftswissenschaften eine Wasserscheide markierte. Die Entlassung und Vertreibung von Wissenschaftlern führte dazu, dass viele der Ökonomen, die an den Lohn- und Beschäftigungsdebatten vor allem der Jahre 1929-32 teilgenommen und die 1930 erschienene Keynessche Treatise rezensiert hatten, nunmehr im Exil, allen voran in den USA und Großbritannien lebten.

Im Folgenden werde ich zunächst auf einige kontroverse Debatten über Keynes’ Vorwort zur deutschen Ausgabe der Allgemeinen Theorie eingehen (Abschnitt 2). Da die detaillierte Diskussion aller Reaktionen deutschsprachiger Ökonomen eine eigenständige Monographie erfordern würde, beschränke ich mich im Nachfolgenden auf einige ausgewählte Beiträge emigrierter (Abschnitt 3) bzw. im deutschen Sprachraum verbliebener Wirtschaftswissenschaftler (Abschnitt 4). Beispielhaft für theoretisch-inhaltliche Auseinandersetzungen, die noch heute unter ständiger Bezugnahme auf Keynes stattfinden, greife ich in Abschnitt 6 den Lohn-Beschäftigungs-Zusammenhang heraus. Der Aufsatz schließt mit einigen Reflektionen zum „Streit um Keynes“, der in der frühen Bundesrepublik u.a. Erich Schneider und Wilhelm Röpke als Haupt-Kontrahenten sah.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht
Harald Hagemann, Gustav Horn, Hans-Jürgen Krupp (Hg.)::
Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht
the author
Prof. Dr. Harald Hagemann
Harald Hagemann

Universität Hohenheim (Stuttgart) am Institut für Volkswirtschaftslehre. Seit 2013 Vorsitzender der Keynes-Gesellschaft.

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